Einerseits sind Krankheiten in der Lage, Säure-Basen-Störungen herbeizuführen, andererseits können sich Symptome aufgrund von Säure-Basen-Störungen entwickeln, die für die ursprüngliche Krankheit nicht charakteristisch sind. Daraus resultieren häufig Mischbilder, die die Diagnostik der Primärkrankheit erschweren können. Die meisten SBH-Störungen sind dank der enormen Pufferkapazität des menschlichen Organismus gering und können vom Organismus problemlos ausgeglichen werden. Dieses schließt jedoch SBH-Störungen auch bei jungen Patientenkeinesfalls aus. Vor allem bei chronischen Leiden können sich z.T. energiekonsumierende Kompensationsmechanismen allmählich erschöpfen.
Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt möge sich wie in dieser Abbildung präsentieren. In Anlehnung an die Henderson-Hasselbach’sche Gleichung liegt die metabolische Komponente auf der rechten und die respiratorische auf der linken (und längeren) Seite des Hebels. Respiratorisch kann sich die Lage rasch ändern, im Gegensatz zum metabolischen Einfluss.
Es muss zwischen pH-Wert und Pufferkapazität unterschieden werden. Der pH-Wert allein sagt noch nichts über die Säure-Basen-Reserven aus. Aus der Henderson-Hasselbach’schen Gleichung geht auch hervor, dass der pH-Wert nicht durch die Konzentration sondern das Konzentrationsverhältnis der Anionen zu den nicht dissoziierten Säuren entschieden wird. Die Pufferkapazität wird hingegen durch die Konzentration bestimmt. Im Bikarbonat/Kohlensäuresystem sind die Säureresistenz von der Menge des Bikarbonats und die Alkaliresistenz von der Konzentration der Kohlensäure abhängig. Kompensierte Störungen sind selten selber Ursache von Symptomen und vielmehr Folgen von Erkrankungen.
Kompensierte Störungen beinhalten immer respiratorische und metabolische Komponenten. Es ist nicht immer einfach, diese von primären Mechanismen zu unterscheiden. Metabolische Störungen werden respiratorisch und metabolisch, respiratorische Störungen ausschliesslich metabolisch kompensiert. Dabei wird immer die Pufferkapazität angepasst, wodurch sich der pH-Wert geringfügig verändert. Dieser bewegt sich jedoch meistens innerhalb vom Normbereich, weshalb die pH-Wert-Messung alleine bei einer Kompensation nicht aufschlussreich ist.
Die Kompensation erfolgt unterschiedlich schnell:
Eine Hyperventilation allein kann keine Aussage über eine Störung machen, sie spiegelt jedoch folgende Situationen wider:
Genauso kann z.B. eine Urinansäuerung bedeuten:
In allen Situationen müssen differenzierte Therapiekonzepte zur Anwendung gelangen.
Der Übergang von kompensierten zu dekompensierten Störungen ist fließend und meist Zeichen einer bereits lang andauernden oder einer akuten schwerwiegenden Krankheit. Zudem ist jede dekompensierte Störung letztendlich auch als teilkompensiert zu sehen. Die Einteilung der Säure-Basen-Störung erfolgt je nach Betrachtungsweise. So lassen sich die Krankheiten nach
Für eine differenzierte Betrachtungsweise, die auch für das therapeutische Konzept entscheiden ist, müssen alle Sichtweisen kombiniert werden.
Neben diesen Kriterien ist auch das Ausmaß einer Störung zu beachten:
oder deren Lokalisation:
oder die sogenannten Anionen-Lücke
Grundsätzlich sind Alkalosen für den Organismus bedrohlicher als Azidosen. Schließlich ist bereits der gesunde Blut-pH-Wert (7,4) gegenüber dem der Zelle basisch. Dieses physiologische Ungleichgewicht ist für den Stoffwechsel bzw. den Molekulartransport essenziell. Der pH-Wert-Bereich, der noch mit Leben vereinbar ist, erstreckt sich von 6,8 – 7,8. Damit besteht in Richtung Azidose eine ca. fünffache größere Reserve als bei der Alkalose.
Durch das davor schützende Bikarbonat/Kohlensäuresystem mit seinem pKs-Wert im sauren Bereich kommen glücklicherweise bedrohliche Alkalosen seltener vor.
Im Folgenden sollen die Säure-Basen-Störungen nach ihrer Pufferkapazität zur besseren Analyse eingeteilt werden.
Diese Störungen umfassen sowohl die metabolische Azidose wie auch die respiratorische Alkalose. Die metabolische Azidose ist bei weitem die häufigste und damit auch die „gutartigste“ Störung. Sie kann meist problemlos durch Hyperventilation ausgeglichen werden, im Gegensatz zu der Alkalose, bei der nicht ohne weiteres immer weniger geatmet werden kann. Dabei setzt die jeweilige kurzfristige Kompensation den begonnenen Trend zu erniedrigten Pufferkapazitäten weiter fort und gleicht nicht etwa wieder in die Gegenrichtung aus. Erst die verzögert einsetzende metabolische Kompensation, sofern Primärursache und Kompensationsorgan nicht identisch sind (z.B. Niere/Niere), ist in der Lage, die Puffer wieder anzuheben.
pH-Variabilität bei Verminderung der Pufferkapazität
Man beachte wie je höher die Ausgangspufferung ist, umso länger bleibt die Störung kompensiert.
Die metabolische Azidose wird auf krankhafte Prozesse mit einem relativen Anstieg von fixen Säuren (nicht flüchtige saure Anionen) im Blut zurückgeführt. Mit Ausnahme der Kohlensäure zählen sämtliche im Stoffwechsel produzierten Säuren zu den fixen Säuren. Diese sind u.a. das Laktat (aus Kohlenhydraten), Phosphat, Sulfat (aus Proteinen), Acetoacetat und β-Hydroxybutyrat (aus Fetten).
Die metabolische Azidose kann auf einer oder mehreren Ursachen beruhen:
Fixe Säuren mit einem tieferen pKs-Wert verdrängen aus Gründen der Elektroneutralität Anionen wie das Bikarbonat. Dadurch sinkt dessen Gehalt im Blut und mit ihm der pH-Wert.
Die Ursachen sind vielfältig:
Bikarbonat geht unphysiologisch verloren oder wird zu wenig produziert.
Physiologisch vorkommende Säuren können nicht ausreichend eliminiert werden.
Durch die Azidose verschiebt sich die Sauerstoffdissoziationskurve nach rechts und der Sauerstoff wird erleichtert abgegeben. Bei chronischen Zuständen sinkt allmählich das 2,3-DPG und führt die SDK wieder zurück in die Mittellage (allosterischer hemmender Effekt auf die Hämoglobin-O2-Affinität). Ein wichtiger Aspekt bei chronischen Störungen ist der Effekt auf die Knochen. Diese dienen als langfristiger Basenspeicher. Wird deshalb vermehrt Knochen resorbiert, kann eine Osteoporose begünstigt werden.
Auch kardiovaskuläre Effekte sind bekannt. So sinkt bei einer Azidose die myokardiale Kontraktion, der Sympathicus wird aktiviert und als Folge sind Tachykardien, Arrhythmien und eine Vasokonstriktion möglich. Die Resistenz gegenüber Kathecholaminen scheint anzusteigen. Durch die Kaliumverschiebung in den extrazellulären Raum kommt es intrazellulär zu einer Kaliumverarmung und zu einem geringeren Kaliumgradienten an der Membran, was die Nervenaktion destabilisiert. Bei fortgeschrittener Azidose werden Calcium Ionen durch Protonen verdrängt, wodurch die Kontraktilität des Myocards verringert wird.
Die Verminderung des Serumbikarbonats wie auch des Blut-pH-Werts lösen diverse Kompensationsmechanismen aus. Einerseits wird das Atemzentrum, welches bereits auf kleine H+ -Erhöhungen reagiert, stimuliert. Es entwickelt sich eine Hyperpnoe oder auch Kussmaul-Atmung [49] genannt. Andererseits werden Nieren dazu aktiviert, vermehrt Na-Bikarbonat zurück zu gewinnen und die Leber bevorzugt jetzt eher den Glutamatzyklus anstelle des Harnstoffzyklus um Bicarbonat zu sparen. Längerfristig wird auch die Knochenreserve abgebaut.
Die pH-Kompensation ist nie vollständig. Eine primäre Azidose bleibt auch nach der Kompensation etwas im azidotischen Bereich. So lässt sich auch erkennen, welche Störung zuerst bestand (in diesem Falle nicht eine metabolisch kompensierte respiratorische Alkalose).
Die respiratorische Alkalose ist eine Störung mit einem tiefen pCO2 und ist immer auf eine gesteigerte alveolare Ventilation zurückzuführen. Eine rasche Ventilation muss jedoch nicht immer eine Alkalose erzeugen, vor allem dann nicht, wenn es sich um eine Kompensation einer metabolischen Azidose handelt.
Ursachen
Alle Ursachen müssen zu einer gesteigerten Ventilation führen:
Wenn man diese klinischen Effekten mit denen der metabolischen Azidose vergleicht, fällt auf, dass sich die respiratorisch alkalotische Symptome in der Regel akuter und dramatischer präsentieren. Dabei ist zu beachten, dass respiratorische Effekte alle Zellen gleichermaßen durch die Senkung des pCO2 –Werts im ganzen Organismus beeinflussen.
Bei einer längerdauernden respiratorischen Alkalose werden die Nieren möglichst Säure (Chlorid) zurückhalten und vermehrt Natriumbikarbonat ausscheiden. Diese Kompensation ist auf eine Bikarbonatsenkung von ca 50 % limitiert. Eine Kompensation ist nie vollständig. Eine primäre respiratorische Alkalose bleibt auch nach der Kompensation etwas im alkalischen Bereich. Auch hier lässt sich auch erkennen, welche Störung zuerst bestand (in diesem Falle nicht eine respiratorisch kompensierte metabolische Azidose).
Zu diesen Störungen zählen die metabolische Alkalose und die respiratorische Azidose. In Analogie zu den Störungen mit niedriger Pufferkapazität setzt sich auch hier bei der Kompensation der begonnene Trend zu diesmal höheren Pufferkapazitäten weiter fort, statt sich wieder in die Gegenrichtung auszugleichen. Die Kompensation der metabolischen Alkalose erfolgt zuerst durch ein Zurückhalten der Kohlensäure. Erst längerfristig wird Bikarbonat verstärkt ausgeschieden. Dagegen muss bei der respiratorischen Azidose mehr Bikarbonat renal zurückgehalten werden.
pH-Variabilität bei Erhöhung der Pufferkapazität
Man beachte wie je tiefer die Ausgangspufferung ist, umso länger bleibt die Störung kompensiert.
Diese Störungen sind seltener zu beobachten als die unter 6.2.1
Die metabolische Alkalose ist eine Störung mit erhöhter Bikarbonatkonzentration und wird in der Praxis relativ häufig angetroffen. Sie lässt sich unterteilen in:
Bei diesen Störungen werden im Organismus ein Überfluss an Basen erzeugt oder Protonen konsumiert.
Durch eine hypertone Dehydratation werden Elektrolyte konzentrierter. Weil Natrium als basisches Anion in einer höheren Ausgangskonzentration vorkommt als das Chloridion, werden bei Flüssigkeitsverlust die basischen Anionen überproportional konzentriert. Damit steigt auch der pH-Wert der Lösung.
Wenn man diese Effekte mit denen der metabolischen Azidose vergleicht, stellen sich die metabolisch alkalotischen Formen in der Regel akuter und dramatischer dar.
Um das erhöhte Bikarbonat im Sinne der Henderson-Hasselbach’schen Gleichung zu kompensieren, muss das pCO2 ansteigen. Die dafür benötigte Hypoventilation hat ihre Grenzen, da die Sauerstoffversorgung noch gewährleistet sein muss. Die obere Grenze für den pCO2 entspricht ungefähr dem Doppelten des Normwerts von 40 mm Hg, also 80 mm Hg.
Eine Kompensation ist nie vollständig. Eine primäre Alkalose bleibt auch nach der Kompensation etwas im alkalischen Bereich. So lässt sich erkennen, welche Störung die erste war (in diesem Falle nicht eine metabolisch kompensierte respiratorische Azidose).
Bei der respiratorischen Azidose wird primär eine gesteigerte Kohlensäurekonzentration angetroffen. Durch die gute Permeabilität und die fast grenzenlose Aufnahmekapazität der Umluft für CO2 ist diese Störung sehr selten.
Klinische Symptome:
Bei der akuten respiratorischen Azidose ist der Körper auf das alleinige Funktionieren der Pufferung angewiesen. Ein sofortiger respiratorischer Ausgleich ist definitionsgemäß nicht möglich. Weil das CO2 gut fettlöslich ist und problemlos in allen Zellen diffundieren kann, erfolgt die Pufferung vor allem intrazellulär. Die respiratorische Azidose erfasst somit gleichermaßen alle Körperzellen. Alles, was CO2 absorbieren und Protonen aus der entstehenden Kohlensäure neutralisieren kann, wird beansprucht, so auch Proteine, Hämoglobin und Phosphate. Bikarbonat kommt dabei nicht in Frage, da es sich nicht selber abpuffern kann. Übersteht der Patient die akute Phase, beginnt der Organismus mit weiteren Kompensationsmechanismen, vor allem der renalen Bikarbonatretention und der verstärkten Ausscheidung von Chlorid. Die Ammoniumausscheidung steigt ebenfalls an, um den bikarbonatverbrauchenden Harnstoffzyklus zu drosseln.
Eine Kompensation ist nie vollständig. Eine respiratorische Azidose bleibt auch nach der Kompensation etwas im azidotischen Bereich. So lässt sich erkennen, welche Störung zuerst bestand (in diesem Falle nicht eine respiratorisch kompensierte metabolische Alkalose).
Eine Einteilung, die eine gute Übersicht der Störungen erlaubt, ist die Unterscheidung der Konzentrationen von Bikarbonat und Kohlensäure.
Liegen mehrere Krankheiten vor, die den Säure-Basen-Haushalt beeinträchtigen können, sind auch Kombinationen möglich. So sind metabolische Alkalosen und Azidosen sowie respiratorische Störungen alle gleichzeitig denkbar, eine respiratorische Azidose schließt jedoch eine respiratorische Alkalose und vica versa aus. Störungen, die sich „ausgleichen“ wie z.B. bei einem niereninsuffizienten Patienten mit einer metabolischen Azidose, der wegen einer Verengung im Bereich des Magenausgangs (Pylorusstenose) dauernd erbricht, sind entsprechend im Labor schwierig zu differenzieren.
Sind Bikarbonat und Kohlensäure niedrig, können entweder eine kompensierte metabolische Azidose oder eine kompensierte respiratorische Alkalose oder eben auch beide Störungen vorliegen. Sind dagegen hohe Bikarbonat- und Kohlensäurewerte zu verzeichnen, liegen eine kompensierte metabolische Alkalose oder eine kompensierte respiratorische Azidose oder beide Störungen vor.
Je höher das Bicarbonat wie auch die Kohlensäure, umso höher die Pufferkapazität.
CO2 hoch
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CO2 normal |
CO2 tief
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HCO3 hoch
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Metabol. komp. resp. Azidose --- Resp. komp. metabol. Alkalose |
Metabolische Alkalose |
Kombinierte Alkalose |
HCO3 Normal |
Respiratorische Azidose |
normal | Respiratorische Alkalose |
HCO3 tief
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Kombinierte Azidose |
Metabolische Azidose |
Metabol. komp. resp. Alkalose --- Resp. komp. metabol. Azidose |
So stabil der menschliche Säure-Basen-Haushalt zu sein scheint, wird er immer häufiger durch den breiten Einsatz von potenten Arzneimitteln auf die Probe gestellt. Nicht nur regulär eingenommene Medikamente kommen hierfür in Frage, sondern ebenso die selteneren beabsichtigten und akzidentellen Intoxikationen. Je nach Substanz können alle Arten von Säure-Basen-Störungen auftreten, seien dies respiratorische oder metabolische Azidosen sowie Alkalosen und Kombinationen davon.
Durch medikamentöse Einflüsse können sowohl respiratorische wie auch metabolische Azidosen induziert werden. Eine zweite wichtige Unterscheidung metabolischer Entgleisungen erfolgt an Hand der Anionenlücke. Mineralische Störungen verändern diesen Wert nicht, saure organische Anionen, die in erster Linie das Bikarbonat und in zweiter Linie das Chlorid verdrängen (Summe Chlorid + Bicarbonat sinkt), erhöhen sie. Dabei ist zu bedenken, dass bei einer Verminderung des Chlorids der pH Wert wieder ansteigen kann.
Diese Medikamente können eine metabolische Azidose erzeugen:
Im folgenden Text soll auf die wichtigsten Substanzen eingegangen werden.
Eine vergrößerte Anionenlücke weist auf einen erhöhten Anteil organischer Säuren hin. Dies signalisiert eine stattgefundene Veränderung im Stoffwechsel, vor allem der Energiegewinnung. Medikamentös in Fragen kommen:
Toxische Substanzen wären:
Metformin ist wegen den potenziellen Nebenwirkungen dieser Gruppe der noch einzige aktuell zugelassene Arznei. Seine blutzuckersenkende Wirkung beruht hauptsächlich auf einem die Insulinresistenz durchbrechenden Effekt in Leber und Muskel. Es senkt in Gegenwart von Insulin sowohl den basalen als auch den postprandialen Plasma-Glucose (Messwert nach einer Mahlzeit). Metformin hat keine stimulierende Wirkung auf die Insulinsekretion und löst bei alleiniger Anwendung keine Hypoglykämie aus.
Die blutzuckersenkende Wirkung beruht auf drei Mechanismen:
Die große Gefahr dieser Substanzklasse liegt in ihrer Fähigkeit, die Atmungskette blockieren zu können. Weil die Biguanide aber auch die Glucoseaufnahme verbessern, nehmen der anaerobe Glucoseabbau und damit eine Ansammlung von Laktat bei gleichzeitiger ATP-Mangel zu. Es kommt zur Laktatazidose. Eine verminderte mitochondriale Aktivität kann weitere weitreichende Auswirkungen haben. Dazu später.
Metformin wird unverändert durch die Nieren ausgeschieden; die Halbwertszeit liegt bei drei Stunden. Eine Laktatazidose wird demnach durch eine Niereninsuffizienz gefördert. Laktat wird durch den Cori-Zyklus der Leber wieder zu Glucose in einer Geschwindigketi von bis zu 320 meq* Laktat/Stunde synthetisiert. Biguanide sind aber in der Lage, diese hepatische Gluconeogenese zu hemmen. Somit ist eine Leberinsuffizienz ein weiterer Risikofaktor für die Entstehung einer Laktatazidose.
*) Äquivalente (eq) und Milliäquivalente (meq) stehen für die Fähigkeit eines Stoffes, sich mit einem anderen zu verbinden. Ein Milliäquivalent entspricht ungefähr einem Milliosmol. Mit Formeln wird der Messwert von einer Einheit in eine andere umgerechnet. (Quelle MSD Manual)
Die periphere analgetische Wirkung der Salicylate kommt durch die Hemmung der Zyklooxygenase zustande. Dadurch wird die Bildung der Prostaglandine (E2 und I2) gehemmt. Weitere wichtige Stoffwechseleffekte dieser Gruppe sind die
Zudem verlangsamt sie die Umwandlung von Acetat zu Fettsäuren und verhindert, dass Pyruvat aus der Glykolyse in die Fettsäuresynthese einmündet. Letztendlich werden dadurch vorhandene Fettsäuren vermehrt zu Ketonsäuren abgebaut. Durch die mangelhafte Bildung von ATP (Entkopplung der oxidativen Phosphorylierung) muss die notwendige Energie mehr anaerob gewonnen werden. Wird das vermehrt anfallende Laktat durch den Cori-Zyklus der Leber nicht wieder ausreichend zu Glucose umgewandelt, kann sich eine (zum Teil bedrohliche) metabolische Azidose ausbilden. Wie andere nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind die Salicylate potenzielle Hemmer der renalen Ausscheidung. Dadurch kann vor allem bei niereninsuffizienten Personen eine Azidose verstärkt werden.
Hohe Konzentrationen von Salicylsäure, wie z.B. bei Intoxikationen, können auch zur Ausbildung einer metabolischen Azidose beitragen. Diese negativ geladenen Moleküle verdrängen das Bikarbonat; eine erhöhte Anionenlücke ist die Folge.
Salicylate können den Säure-Basen-Haushalt noch auf eine andere Weise beeinträchtigen. Das protonisierte Salicylat, die Salicylsäure, ist lipidlöslich und kann damit die Blut-Hirnschranke besser passieren. Auf diese Weise sind zentralnervöse Nebenwirkungen möglich. Unter anderem wird das Atemzentrum stimuliert, wodurch neben der metabolischen Azidose eine respiratorische Alkalose erzeugt wird. Bei Erwachsenen kann sich diese sogar vor der klinischen Manifestation einer Azidose entwickeln. Bei Kindern ist hingegen die primäre Ausbildung einer metabolischen Azidose häufiger. Entsprechend sind aber auch Mischbilder möglich, die nicht ohne weiteres zu diagnostizieren sind. Hier ist die Anamnese ausschlaggebend.
Die Behandlung der akuten Salicylatvergiftung besteht in einer Verstärkung der Harnausscheidung durch die Nieren durch die Gabe von Natriumbikarbonat (Alkalidiurese).
Die drei häufigsten Alkohole, die absichtlich oder auch unabsichtlich konsumiert werden, sind Ethanol, Methanol sowie Isopropanol (Isopropyl-Alkohol). Sind die letzteren zwei vor allem in Haushaltsartikeln, Farben und Autoflüssigkeiten zu finden, ist Isopropanol häufig Komponente von Hautlotionen und Desinfektionsmitteln. Der Ethanol oder Ethylalkohol aus alkoholischen Getränken ist wohl am bekanntesten. Ethanol ist aber ebenso in Aftershaves wie auch in Parfüms und flüssigen Arzneimitteln zu finden.
Ethanol kann sich unterschiedlich auf den Säure-Basen-Haushalt auswirken. Viele Störungen oder Mischbilder sind möglich. Am häufigsten wird ein chronischer Alkoholismus mit Fehlernährung und mangelhafter Zufuhr von Kohlenhydraten begleitet. Sind die Glykogenreserven aufgebraucht, werden alternative Energiequellen angezapft. In erster Linie handelt es sich um den Abbau der Fettreserven mittels Lipolyse unter Bildung freier Fettsäuren. Diese werden dann in der Leber statt zu den üblichen Triglyceriden der Ketonkörperproduktion weitergeleitet.
Dieser Ablauf wird gefördert durch
und die Hormone
Die Ketogenese wird ebenfalls durch Volumenmangel stimuliert. Wenn der Patient durch eine Alkoholintoxikation zudem erbricht, wird die Ketonkörperproduktion weiter gefördert (die gleichzeitig resultierende Kontraktionsalkalose kann die Azidose teilweise auffangen.).
Ethanol wird zu Acetaldehyd und dann weiter zu Acetat oxidiert. Die korrespondierende Reduktion erfolgt über die Umwandlung von NAD+ zu NADH. Die hohe Konzentration von NADH dient als Promotor für die Synthese von Laktat aus dem Pyruvat. Damit wird neben der Ketoazidose (vor allem β-Hydroxy-Butyrat) eine Laktatazidose erzeugt. Die niedrigen Pyruvatspiegel verhindern ihrerseits die Gluconeogenese und es fehlt Substrat für die Glykolyse. Am einfachsten lässt sich dieser Zustand durch die Blutzuckerbestimmung unterscheiden. Ist er tief, handelt es sich um eine alkoholbedingte Stoffwechselstörung, im Falle von hohen Werten ist ein entgleister Diabetes mellitus die Ursache.
Methanol wird ebenfalls durch die Alkoholdehydrogenase in der Leber zu Formaldehyd und danach zu Ameisensäure abgebaut. Diese Abbauprodukte beeinträchtigen die oxydative Phosphorylierung und sind auf diese Weise hepatotoxisch, wodurch eine schwere metabolische Azidose entstehen kann.
Neben der metabolischen Azidose kann Alkohol auch die Atmung beeinträchtigen. Sowohl eine Hyper- wie auch Hypoventilation sind möglich. Diese respiratorischen Störungen wie auch die bereits erwähnte mögliche Kontraktionsalkalose sind bei der Evaluation des Säure-Basen-Haushalts unbedingt zu berücksichtigen und die therapeutischen Konsequenzen entsprechend anzupassen. Die Kombination von diesen Störungen kann sogar den Säure-Basen-Haushalt normal ausfallen lassen.
Azidosen mit normaler Anionenlücke weisen keine zusätzlichen organischen Anionen auf, die an Stelle von Bikarbonat treten könnten. Hingegen wird häufig die Chloridkonzentration auf Kosten des Bikarbonats angehoben (Elektroneutralitätsprinzip). Die häufigste Ursache ist eine medikamentös verursachte renaltubuläre Azidose. Die wichtigsten dafür in Frage kommenden Medikamente sind:
Auch die orale und parenterale Aufnahme von chloridhaltigen Verbindungen wie HCl, Ammoniumchlorid, Lysin-HCl oder Arginin-HCl erzeugen eine Säurebelastung, falls die Kompensationsmechanismen überfordert werden.
Aldosteron weist einen basischen Effekt auf, indem es die renalen Na+/K+-Pumpen und damit die Protonenausscheidung wie auch die Bikarbonatrückresorption aktiviert. Wird das Hormon z.B. durch den Einsatz von Spironolacton gehemmt, kann sich ebenfalls eine hyperchlorämische metabolische Azidose entwickeln. Einen ähnlichen Effekt haben auch kaliumsparende Diuretika wie z.B. Amilorid und Triamteren.
Für eine medikamentös induzierte respiratorische Azidose kommen vor allem Medikamente mit einem negativen Einfluss auf die Atemfrequenz in Frage. In erster Linie sind es die in der Anästhesie verwendeten Narkotika und Muskelrelaxantien. Bedeutsam sind aber auch starke Analgetika wie die Opiate, die bekanntlich eine Atemdepression hervorrufen können. Auf ähnliche Weise, jedoch deutlich schwächer, wirken Tranquilizer, vor allem in hoher Dosierung.
Hier ist vor allem zu beachten, dass trotz Azidose keine Basensupplemente verabreicht werden, da bereits ausreichend bzw. gar zu viel Bikarbonat vorhanden ist. Zudem wird eine Alkalisierung die Sauerstoffdissoziationskurve nach links verschieben und die mangelhafte Sauerstoffversorgung nur noch weiter verschärfen.
Medikamentöse Alkalosen sind oft zu beobachten. Das liegt vor allem an den häufig eingesetzten Diuretika und selbstverordneten Basenmitteln.
Diese Alkalosen werden nicht wie bei den metabolischen Azidosen noch zusätzlich nach der Anionenlücke weiter unterteilt, da per Definitionen eine erhöhte Anionenlücke nur bei Azidosen vorkommen kann. Eine nicht unbedeutende Reihe von Medikamenten weist einen alkalisierenden bzw. entsäuernden Effekt auf. Aus diesem Grund muss eine zusätzliche Basentherapie eine klare Indikation aufweisen.
Diverse – und häufig verwendete – Medikamente sind in der Lage, eine metabolische Alkalose zu erzeugen:
Einige Arzneimittel und Hormone erzeugen eine respiratorische Alkalose dadurch, dass sie das Atemzentrum anregen.
Stoffe, die eine respiratorische Alkalose hervorrufen können:
Mit den heute gängigen Instrumenten werden vor allem der pH-Wert und die physiochemische Pufferkapazität bestimmt.
Grundsätzlich lassen sich die aktiven Puffermechanismen nicht analysieren. Grobe Hinweise liefern dagegen Messungen der Anionenlücke oder der Strong Ionic Difference. Auch die Untersuchung nach Sanders und Gläsel kann hier eingereiht werden.
A. pH Indikatorstreifen
B. Die Titration / Grundlagen
c. Die Blutgasanalyse
Gängige pH-Indikatorstreifen bestehen aus einem Papierträger und Puffer oder Puffergemischen, die bei unterschiedlichen pH-Werten ihre Farbe ändern. lassen sich bei den verschiedensten, farblosen oder schwach gefärbten Flüssigkeiten anwenden, z.B. bei Urin, Speichel und oder Schweiß. Vorteile dieser Messmethode liegen in der guten Verfügbarkeit, ihres problemlosen Einsatzes im privaten Bereich, und sie sind kostengünstig. Dem stehen jedoch wesentliche Nachteile gegenüber: Der pH-Wert sagt, wie bereits erläutert, nur wenig über den Säure-Basen-Zustand im Organismus aus, die Methode ist zudem ungenau. Es lassen sich damit in der Regel erst Veränderungen von zwei- bis fünffachen Protonenkonzentrationen unterscheiden.
Für das Verständnis soll zuerst die Elektrophysiologie und die messtechnische Grundlagen dargestellt werden.
Die instrumentelle pH-Messung beruht auf einem elektrophysiologischen Vorgang, der Potenziometrie. Die Messanordnung besteht immer aus zwei Elektroden,
Beide Elektroden werden als Halbzellen bezeichnet. Zusammen liefern diese in Lösung ein bestimmtes Potenzial.
Dieses ergibt sich je nach Aufbau der Halbzellen aus der Summe mehrerer Einzelpotenziale. Potenzialbestimmende Übergänge ergeben sich immer an den Phasengrenzen z.B. von der Messlösung hin zur Glasmembran einer pH-Elektrode. In den kombinierten Elektroden, die am häufigsten angewendet werden, sind zwei Halbzellen zu einer Einstabmesskette zusammengefasst.
ME: Messelektrode
BE: Bezugselektrode
U1: Galvanispannung der Messlösung gegen die Glasmembran
U2: Galvanispannung der Glasmembran gegen den Innenelektrolyten
U3: Galvanispannung des Innenelektrolyten gegen die innere Ableitelektrode
U4: Galvanispannung der Bezugselektrode
U5: Diaphragmapotenzial (Diffusionspotenzial)
Durch den Aufbau der Elektrode werden die Spannungen U2, U3 und U4 konstant gehalten. Konstruktive Maßnahmen und die Wahl eines geeigneten Bezugselektrolyten tragen dazu bei, dass auch U5 möglichst konstant bleibt. Im Idealfall ist das gemessene Potenzial ausschließlich von dem sich einstellenden Potenzial zwischen Glasmembran und Lösung abhängig, also dem gesuchten Meßwert U1. Aus praktischen Gründen werden die Halbzellen der Messelektrode und der Bezugselektrode in der Regel in einer Messkette zusammengefasst, man spricht dann von einer kombinierten pH-Elektrode.
Allgemein gilt: Entgegengesetzt geladene Ionen ziehen sich an, gleichnamig geladene Ionen stoßen sich ab. Aus diesen Gründen sind Ionen in einer Lösung nicht willkürlich verteilt, sondern Anionen sind eher in der Nähe von Kationen zu finden und umgekehrt. Die Elektroneutralität der Lösung ist dabei gewahrt. Im Gegensatz zum Ionengitter können sich Ionen in Lösung nicht vollständig regelmäßig anordnen, weil Lösungsmittelmoleküle als Dielektrikum die Coulombschen Wechselwirkungen abschwächen, worauf die thermische Bewegung zu einer stärkeren Verteilung dieser Teilchen führt. Im zeitlichen Mittel befindet sich aber jedes Ion im Zentrum einer Wolke aus entgegengesetzt geladenen Ionen. Diese Ionenwolken schirmen die Ladung des Zentralions ab, was der Grund für die Einführung der Aktivität als "wirksame Konzentration" bei diesen Teilchen ist. Dies betrifft sowohl die Reaktionsfähigkeit als auch die Größe der Potenziale an der Messelektrode. Der unter anderem in der Nernst-Gleichung verwendete Begriff der Aktivität des Messions ist mit der meist analytisch interessierenden Konzentration „cM“ über den Aktivitätskoeffizienten γ verknüpft:
aM = γ * cM
Für verdünnte Lösungen mit Konzentrationen cM < 0,001 mol/l geht der Aktivitätskoeffizient γ gegen 1 und die Aktivität des Ions entsprecht in erster Näherung seiner Konzentration. Der Faktor γ ist eine Funktion des Gesamtelektrolytgehaltes.
Die Nernst’sche Gleichung (NG) beschreibt den mathematischen Zusammenhang zwischen der Aktivität des Messions und der zweiten Messelektrode und Referenzelektrode gemessenen Spannung. Die Gleichung erlaubt es, das von einem Mession an der Elektrode erzeugen Potenzials zu berechnen. In der NG gehen die Potenziale U2 – U5 (pH) bzw. U4 – U5 (Redox) als Uo ein. Damit liefert die Bezugselektrode ein konstantes Potenzial (U4 und U5 sind konstant) und an der Messelektrode ändert sich nur das Pozential U1.

U = gemessene Spannung
Uo = Standardspannung der Messkette – abhängig von deren Aufbau
R = Gaskonstante 8,31439 Jmol-1K-1
T = Temperatur OKelvin
z = Ionenwertigkeit einschließlich Vorzeichen
F = Faraday-Konstante 96.493 C mol-1
Ihr Wert beträgt unter Normalbedingungen (T=298 OKelvin und z=1 [Hydroniumion, positiv, einwertig]) 0,059 Volt. Sie gibt als Faktor in der NG die theoretische Elektrodensteilheit an.
Aus der Formel lässt sich erkennen, dass die Elektrodensteilheit für zweiwertige Ionen (z=2) nur halb so groß sein wird. Ausserdem ist das Vorzeichen für kationen- und anionensensitive Messelektroden entgegengesetzt, da der Faktor z auch die Ladung des Ions berücksichtigt.
Wichtig vor allem für Blutprobenmessungen ist die direkte Abhängigkeit der Nernst-Spannung von der Temperatur. Diese ist deshalb bei allen Messungen unbedingt zu berücksichtigen.
Es gibt sehr viele verschiedene Messmethoden. Für die Bestimmung des Säure-Basen-Haushalts sind besonders die nachfolgend aufgeführten Parameter wichtig.
Das Potenzial, d.h. die Spannung gegenüber einer Bezugselektrode, wird nahezu stromlos (I = 10-12 A) bestimmt. Die Messwerte entsprechen unmittelbar einer bestimmten Konzentration. Die Bestimmung des pH-Werts ist eine typische direktpotentiometrische Messung.
Die Spannungsänderung wird nahezu stromlos erfasst. Entscheidend ist dabei die Empfindlichkeit und Geschwindigkeit, mit der die Konzentrationsänderungen erfasst werden. Die gesuchte Konzentration wird mit Hilfe einer kontinuierlich beigegebenen Messlösung bestimmt.
Unabhängig voneinander besitzen eine Messelektrode das Potenzial X, eine Messlösung das Potenzial Y und die Bezugselektrode das Potenzial Z. Werden aber alle drei Komponenten gekoppelt, so stellt sich ein resultierendes Gesamtpotenzial ein, das z.B. mit einem pH-Meter gemessen werden kann. Das gemessene Potenzial ist temperaturabhängig und muss deshalb korrigiert werden.
Die Titration besteht aus einer Vielzahl direktpotenziometrischer Messungen. Auch hier wird ein Anfangspotenzial bestimmt, das primär durch das Mession geprägt sein sollte. Nach Umsetzung aller Messionen stellt sich ein Endpotenzial ein.
Der wichtigste Unterschied zwischen Direktpotenziometrie und Titration ist, dass der Betrag des Potenzials nur für die Direktpotenziometrie von Bedeutung ist. Die Titraton hingegen erfasst nur Veränderungen. Die grundlegenden elektrochemischen Prozesse sind in beiden Verfahren identisch.
Direkt übersetzt bedeuten die ersten beiden Begriffe „den Feingehalt messen,“ vom französischen „titre“ = Feingehalt und dem griechischen „metron“ = Mass. Potenziometrie hingegen leitet sich vom lateinischen Begriff „potens“ = mächtig ab. Im übertragenen Sinne bedeutet es „eine Kraft zu messen“.
Nicht nur die Wortstämme sind historisch, auch die Methode hat Tradition und zählt neben der Gravimetrie – der reinen Gewichtsbestimmung – zu den ältesten Analysenmethoden der Chemie. Friedrich Mohr, ein Altmeister der Maßanalyse, schrieb 1855: „Titrieren ist eigentlich ein Wägen ohne Waage“.
Hierfür wird die unbekannte Konzentration eines gelösten Stoffes bestimmt, indem man diesen mit einem anderen Stoff bekannter Konzentration unter der Annahme der vollständigen Reaktion miteinander reagieren lässt. Dabei ist dieser mit den Gewichten vergleichbar, die auf der anderen Seite der Waage aufgelegt werden. Es wird angenommen, dass beide Stoffe vollständig miteinander reagieren. Somit sind drei Komponenten beteiligt: die unbekannte Probe, die bekannten Gewichte und die Nadel am Waagebalken, die ein Gleichgewicht der Waagschalen anzeigt.
Übertragen auf die chemische Maßanalyse entspricht dies der unbekannten Probe, dem bekannten Titer und der Möglichkeit, den Gleichgewichtszustand bzw. den Äquivalenzpunkt bzw. Endpunkt bei der Bluttitration festzustellen. Dieser kann z.B. klassisch am Farbumschlag eines Indikators erkannt werden oder in der modernen Analytik an der Veränderung der Aktivität eines Ions in der Lösung. Diese Änderung wird mit Elektroden als Potenzialänderung erfasst.
Für die Messung des pH-Werts müssen werden Glaselektroden eingesetzt werden. Die regelmäßige Kalibrierung der Elektrode ist bei Säure-Basen-Messungen essenziell.
Wie funktioniert diese?
Die Glasmembran einer pH-Glaselektrode besteht aus einem Silikat-Grundgerüst, das Lithiumionen enthält. Wird eine Glasoberfläche in eine wässrige Lösung eingetaucht, bildet sich auf ihr eine dünne Quellschicht (Gelschicht) aus, in der die Struktur des Glases aufgeweicht ist. Dies gilt sowohl für die Außen- wie auch die Innenseite dieser speziellen Membran. Da die Protonenkonzentration im Innenpuffer der Elektrode konstant ist (pH = 7), stellt sich dort ein stationärer Zustand ein. Ändert sich dagegen die Protonenkonzentration in der Messlösung, kommt es in der äusseren Quellschicht zu einem Ionenaustausch und damit zu einer Veränderung des Potenzials an der Membran. Erst wenn dieser Ionenaustausch einen stationären Zustand erreicht hat, ist auch das Potenzial der Glaselektrode konstant. Ihre Einstellzeit ist daher immer auch von der Dicke der Quellschicht abhängig. Durch den ständigen Kontakt mit wässrigen Lösungen wächst die Quellschicht – wenn auch sehr langsam – immer weiter an, was längere Einstellzeiten zur Folge hat. Um möglichst reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten, ist deshalb eine Konditionierung der Elektrode in einem geeigneten Elektrolyten unbedingt erforderlich, um einen möglichst stationären Ausgangszustand der Quellschicht zu garantieren.
Das Silikatgrundgerüst der Glasmembran enthält unter anderem auch Lithiumionen. Bei der Ausbildung der Quellschicht an der Glasoberfläche werden diese zum Teil durch Protonen ersetzt. Verändert sich die Konzentration der Protonen in der Messlösung, muss sich in der Quellschicht erst wieder ein neuer stationärer Zustand einstellen, was eine Veränderung des Potenzials an der Glasmembran zur Folge hat.
Mess-Schema und Ionenwanderungen in einer Glaselektrode
Mit freundlicher Genehmigung der Fy. Metrohm AG, Herisau, Schweiz
Das Potenzial einer Messelektrode kann immer nur relativ zu einer Bezugselektrode angegeben werden. Um die Systeme vergleichbar zu machen, definiert man den Elektrodennullpunkt bei 0 mV für pH = 7 und 298,15 K bzw. 25 °C. Die Elektrodensteilheit, das heißt die Veränderung des Messwerts mit dem pH-Wert, ist durch die Nernst-Gleichung gegeben und beträgt bei 25 °C 0,059 V pro ΔpH = 1. Dies sind die idealen Werte. Der Elektrodennullpunkt liegt bei ±0,015 V. Unter anderem bedingt durch die Alterung der Glasmembran oder die Verschmutzung des Diaphragmas können sich der Elektrodennullpunkt und die Elektrodensteilheit verändern. Deshalb muss der pH-Meter unter Verwendung von Pufferlösungen in regelmässigen Abständen an die Charakteristik der Elektrode angepasst, d.h. kalibriert werden.
Zunächst wird der Elektrodennullpunkt eingestellt (pH = 7 entsprechend 0 mV, Abb. 8.3). Mit der zweiten bzw. weiteren Pufferlösungen wird die Steilheit der pH-Elektrode ermittelt (Abb. 8.4). Diese wird in Prozent des theoretischen Wertes ausgedrückt (100 % = 0,059 V pro ΔpH = 1). Um spätere Messfehler zu minimieren, sollte stets darauf geachtet werden, dass der erwartete Messwert der Probenlösung immer innerhalb des durch die Pufferlösungen abgedeckten pH-Bereichs liegt.
Im ersten Kalibrierschritt mit einem Puffer-pH Wert = 7 wird die Abweichung vom Elektrodennullpunkt (= Asymmetriepotenzial) bestimmt und korrigiert.
Im zweiten Kalibrierschritt wird mit einer anderen Pufferlösung die Elektrodensteilheit bestimmt und in Prozent des theoretischen Werts von 0,059 V (bei 25 °C) ausgedrückt.
Die Kalibrierung ist stets auch eine Überprüfung der Messelektrode. Die Kalibrierpuffer weisen eine mittlere Säure-Basen-Konzentration auf und die Ionenstärke liegt im Bereich der gängigsten Messlösungen. Die Temperaturabhängigkeit der Elektrodensteilheit erfordert im Voraus die Kenntnis der Kalibrier- und Messtemperatur. Hinweise über den Elektrodenzustand geben die Elektrodensteilheit, der Elektrodennullpunkt, die Einstellzeit des Signals und dessen Strömungsabhängigkeit. Moderne pH-Meter liefern einen automatischen Elektrodentest, der eine genaue Aussage über den Elektrodenzustand liefert und mit dem sich oft die Fehlerquelle lokalisieren lässt.
Die Temperatur hat wesentlichen Einfluss auf den pH-Wert und die pH-Messung. Ist eine Elektrode bei 25 °C kalibriert, so sollte sie über den gesamten pH-Bereich linear messen und korrekte Ergebnisse liefern. Wird die Elektrode dabei auf eine andere Temperatur als ihre Kalibrierung (z.B. 25°C ) gebracht, so ändert sich die Elektrodensteilheit gemäß der Nernst-Gleichung und eventuell auch der Elektrodennullpunkt. Der Punkt, an dem sich die beiden Kalibriergeraden (ohne Korrektur) für unterschiedliche Temperaturen schneiden, wird als Isothermenschnittpunkt bezeichnet.
Temperaturabhängigkeit und Distanz zum Neutral-pH-Wert.
Blau: 25 Grad / Rot 60 Grad Celsius
Folgende Parameter werden bei der BGA gemessen:
Aus dem pH-Wert und dem Kohlendioxydpartialdruck wird die aktuelle Bikarbonatkonzentration mit Hilfe der Henderson-Hasselbach’schen Gleichung berechnet. Aus dem Bikarbonat wird der Basenüberschuss, das „Base Excess“ (BE), durch eine Standardisierung auf einen pCO2 von 40 mm Hg kalkuliert. Damit muss das BE bei respiratorischen Störungen den Wert „0“ erhalten, da pCO2 und HCO3- in direkter Korrelation zueinander stehen. Weniger CO2 bedeutet gleichzeitig weniger HCO3- und umgekehrt. Ein Base Excess von Null bedeutet aber keinesfallsnicht, dass sich die Menge der Pufferbasen bei respiratorischen Störungen nicht verändert. Respiratorische Alkalosen sind Niedrigpuffer- und respiratorische Azidosen Hochpufferstörungen. Weicht das BE von Null ab, ist dies ein Zeichen von metabolischen Störungen, da hier sich das HCO3- unabhängig(er) vom pCO2 verändert.
Aus dem pO2 wird indirekt auf die Puffereigenschaft des Hämoglobins geschlossen, da sie abhängig vom Sättigungsgrad eine unterschiedliche Pufferkapazität besitzt.
Urin ist als Mess-Substrat in praktisch unerschöpflicher Menge schmerzlos zu gewinnen. Diese Vorteile stehen aber erheblichen Nachteilen gegenüber.
Bei weitem am häufigsten wird der menschliche Urin-pH gemessen und anhand einer Tagesaufzeichnung über den Zustand des Säure-Basen-Haushalts entschieden. Dieses Verfahren hat aber einem grundsätzlichen Fehler. Gerade die Niere ist dazu da, Säuren auszuscheiden, wodurch eine gesteigerte Säureausscheidung absolut nicht mit Übersäuerung gleichzustellen ist. Rein theoretisch kann eine verstärkte Säureausscheidung sogar eine metabolische Alkalose einleiten, bei der Basengaben kontraindiziert wären. Zudem wird mit den pH-Streifen nur der geringste Anteil der ausgeschiedenen Säure gemessen. Der Großteil ist an Phosphat oder an Ammonium gebunden und entzieht sich dadurch der Messung. Außerdem wird z.B. bei einer Niereninsuffizienz mit ihrer gestörten Protonenausscheidung eine Bestimmung der Säuremenge im Urin keine Aussage zum Säure-Basen-Haushalt erlauben.
Sinnvolle Einsatzgebiete gibt es trotzdem:
Die klassische Harnuntersuchung hinsichtlich des Säure-Basen-Haushalts ist die Urintitration nach Sanders und Gläsel. Proben können dabei extern in einem Labor analysiert werden. Bei der Messung wird die an Puffern gebundene Säure gemessen. Diese Puffer sind vor allem Phosphat (titrierbare Säure) wie auch Ammonium (nicht titrierbare Säure). Weil der Urin-pH nicht unter 4.5 fallen darf, wird nach Erschöpfen des Phosphatmechanismus die Säureausscheidung mittels Ammonium fortgesetzt. Damit können zusätzliche Protonen eliminiert werden, ohne den pH-Wert weiter senken zu lassen. Dabei kann der pH-Wert sogar wieder ansteigen. Deshalb ist die alleinige Messung des Urin-pH-Werts untauglich.
Ist der Tagesrhythmus mit Säure- und Basenfluten verstrichen und die Ammoniumionenkonzentration erhöht, kann meistens von einer metabolischen Azidose ausgegangen werden. Heute messen leider nicht mehr alle Labore Ammonium. Damit sinkt unweigerlich die Zuverlässigkeit der Untersuchung.
Messergebnis nach Sanders und Gläsel, normaler Tagesrhythmus
Azidose-Band
In Zusammenhang mit dem sogenannten Azidoseband wird häufig von einer Säure-Regulationsstarre gesprochen. Doch der Organismus versucht sehr wohl durch permanente Säureausscheidung eine Regulation. Eine Regulationsstarre impliziert vielmehr das Ausbleiben jeglicher Reaktionen des Organismus so z.B. wenn bei einer Azidose ein alkalischer Harn produziert würde.
Ein Nachteil der Urintitration ist die Unfähigkeit, weitere Störungen zu differenzieren: So können Alkalosen nicht klar diagnostiziert werden. Ebenso wenig kann zwischen einer kompensierten und dekompensierten bzw. einer respiratorischen und metabolischen Störung unterschieden werden. Zudem ist es bei einer Azidose nicht zwingend, dass Protonen renal ausgeschieden werden müssen. Schliesslich kann die Leber sauren Anionen wie Laktat und Ketonsäuren ebenfalls neutralisieren und zu Bikarbonat verstoffwechseln.
Für einen Arzt oder Therapeuten ohne Eigenlabor ist die Untersuchung nach Sanders und Gläsel wohl immer noch die beste Methode.
Ablauf
S-Wert/B-Wert x 100(%) = Aziditätsquotient AQ
{[S-Wert + A-Wert]/B-Wert } x 100(%) = Gesamt-AQ
Je höher die Werte, umso mehr Säure wurde ausgeschieden.
Ein weiteres und wenig verwendetes Verfahren, welches sich an dieses anlehnt, ist die Netto-Säureausscheidung im 24-Stunden-Sammelurin. Hier geht es nicht um die Tages-Ausscheidungsstruktur, sondern lediglich um die Säuregesamtelimination. Wegen der umständlichen Urinsammlung kommt diese Methode eher selten zum Einsatz. Zudem bieten nur wenige Labore diese Analyse an.
Die zuverlässigste Messung liefert die Blutanalyse. Entsprechend gehört in Krankenhäusern die Arterielle Blutgasanalyse zur Routine. Diese Analyse erfordert eine nicht unproblematische arterielle Punktion, die in der Regel auch bei stationären Patienten nur bei zwingender akuter Indikation durchgeführt wird.
Für die Blutgasanalyse (BGA) sind viele unterschiedliche Gerätschaften erhältlich. Die BGA hat sich als Goldstandard institutionalisiert.
Folgende Parameter werden bei der BGA gemessen:
Aus dem pH-Wert und dem Kohlendioxydpartialdruck wird die aktuelle Bikarbonatkonzentration mit Hilfe der Henderson-Hasselbach’schen Gleichung berechnet. Aus dem Bikarbonat wird der Basenüberschuss, das „Base Excess“ (BE), durch eine Standardisierung auf einen pCO2 von 40 mm Hg kalkuliert. Damit muss das BE bei respiratorischen Störungen den Wert „0“ erhalten, da pCO2 und HCO3- in direkter Korrelation zueinander stehen. Weniger CO2 bedeutet gleichzeitig weniger HCO3- und umgekehrt. Ein Base Excess von Null bedeutet aber keinesfallsnicht, dass sich die Menge der Pufferbasen bei respiratorischen Störungen nicht verändert. Respiratorische Alkalosen sind Niedrigpuffer- und respiratorische Azidosen Hochpufferstörungen. Weicht das BE von Null ab, ist dies ein Zeichen von metabolischen Störungen, da hier sich das HCO3- unabhängig(er) vom pCO2 verändert.
Aus dem pO2 wird indirekt auf die Puffereigenschaft des Hämoglobins geschlossen, da sie abhängig vom Sättigungsgrad eine unterschiedliche Pufferkapazität besitzt.
In der Klinik, vor allem bei der Evaluation von Störungen in Zusammenhang mit Lungen- und Nierenerkrankungen oder Abweichungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes, ist die Arterielle Blutgasanalyse (ABGA) die Methode der Wahl. Ein wesentlicher Nachteil dabei ist die Notwendigkeit einer arteriellen Blutentnahme, da sie deutlich schwieriger und schmerzhafter als eine Venenpunktion ist und entsprechendes Fachpersonal erfordert. Am häufigsten werden die Arteria radialis, A. brachialis oder A. femoralis für die Blutentnahme gewählt. Ein Kompromiss ist die Verwendung von „arterialisiertem“ Kapillarblut aus dem Ohrläppchen, und in der Pädiatrie wird die ABGA sogar aus einer venösen Blutprobe durchgeführt. Dies muss bei der Interpretation entsprechend berücksichtigt werden.
Referenzbereiche (können je nach Labor variieren):
Eignet sich die ABGA für respiratorische Krankheiten erlaubt die venöse BGA die Abklärung metabolischer Störungen. Zudem kann das Verhältnis von Sauerstoff zu CO2 in Verbindung mit Laktat Auskunft geben über die mitochondriale Aktivität bzw. den aeroben / anaeroben Stoffwechsel. Ebenso gibt das Sauerstoff - CO2 Verhältnis Hinweise zur Fett- und Zuckerverwertung.
Für die Praxis ist die Bluttitrationsanalyse nach Hans Heinrich Jörgensen eine umfassende Untersuchung des Säure-Basen-Haushalts. Dabei werden Vollblut und Plasma an einen Endpunkt entsprechend dem des pKs-Werts des Bikarbonatsystems heruntertitriert (pH = 6.1), um ein Maß für die Gesamtpufferkapazität zu erhalten.
Wie bei der venöse Blutgasanalyse muss der Patient für die Untersuchung morgens nüchtern erscheinen. Wasser trinken ist gestattet, hingegen darf keine anstrengende Arbeit oder gar Sport der Untersuchung vorausgehen. Vor der Blutentnahme sollte sich der Patient kurz ausruhen.
Dem frisch entnommenen Blut und Plasma wird Salzsäure tropfenweise hinzugegeben und anschliessend der pH-Wert durch Titration gemessen. Je rascher der pH-Wert-Abfall erfolgt, desto geringer ist die Menge an Basenpuffern und umso größer die vorhandene Säuremenge im Falle einer metabolischen Azidose. Beim Vorliegen einer metabolischen Alkalose treffen wir reziproke Verhältnisse an.
Schema der Titrationsergebnisse
Rot = Vollbluttitration / Blau = Plasmatitration
Der Abstand der Schnittpunkte der Plasmatitrationskurve (PP) und Vollbluttitrationskurve mit der x-Achse wird durch den Einbezug des Hämatokrits (Hk) standardisierbar und reproduzierbar. Berechnet wird damit der Intraerythrozytärpuffer (IEP) bei einem theoretischen Hämatokritwert von 100 % (IEP 100 %). Letzterer repräsentiert in erster Linie ein Maß für den Bohr-Haldane-Effekt bzw. das pO2 in den Erythrozyten und damit zugleich die approximative Position der Sauerstoffdissoziationskurve. Letzteres kann auch als die allgemeine Sauerstoff-Affinität des Hämoglobins interpretiert werden.
Die Formel für die Berechnung der standardisierten Intrazellulärpuffer lautet:
IEP 100 % = PP+ {([VP-PP]/Hk) x 100}
Ein aktiver aerober Stoffwechsel senkt die IEP 100 % und hebt gleichzeitig das Plasma-Bikarbonat an. Bei zunehmendem anaerobem Stoffwechsel herrschen umgekehrte Verhältnisse und ermöglicht einen Einblick in die Sauerstoffverwertung des Organismus. Dabei gilt: je höher, umso aerober aber auch tendenziell entzündlicher und je niedriger, umso anaerober und degenerativer der Stoffwechsel.
Respiratorische Störungen werden kalkulatorisch erfasst:
Für die Berechnung wird der pKs-Wert des Bikarbonats eingesetzt, dabei sind die Messwerte bezogen auf das Vollblut und Gesamtplasma. Diese Medien weisen als Komplexmischung keinen bestimmten pKs-Wert auf.
Die Anionenlücke (AL) kann als „Nichtwert“ bezeichnet werden, da sie alle Anionen im Plasma repräsentiert, die in der Regel nicht gemessen werden (z.B. Laktat, Acetoacetat, Sulfat).
Berechnet wird sie wie folgt:
AL = (Ka+ + Na+)–(Cl- + HCO3-) = 8 – 16
Ist die AL erhöht, müssen nicht gemessene organische Säuren aufgrund der Elektroneutralität Cl- - und HCO3- -Ionen verdrängt haben. Ist eine Azidose auf eine gesteigerte Cl- - und erniedrigte HCO3- -Konzentration zurückzuführen, bleibt die AL unverändert (anorganische metabolische Azidose).
Eine erhöhte AL findet man bei bzw. durch eine Intoxikation durch:
Bei niedriger AL hat meistens keine Bedeutung, kann jedoch bei folgenden Krankheitsbildern vorkommen:
Die laboranalytischen Fehlerquellen aller gemessenen Parameter werden summiert, deshalb sind nur starke Abweichungen klinisch relevant. Zudem muss die Bikarbonat-Bestimmung innerhalb von drei Stunden nach der Blutentnahme erfolgt sein, weil die Verbindung sich rasch zersetzt.
Einer der wichtigsten Blutpuffer ist das nicht gemessene Anion Albumin. Weil das Gesetz der Elektroneutralität stets erfüllt sein muss, wird ein Mangel an Albumin meist durch eine Zunahme an Chlorid oder Bikarbonat kompensiert (Mangel an saures Albumin kann aber auch eine Alkalose erzeugen!). Aus diesem Grunde kann theoretisch eine sonst erhöhte AL bei einer metabolischen Laktat-Azidose beim gleichzeitigen Vorliegen einer Hypalbuminämie normal ausfallen. Die Anionenlücke hat bei der Bluttitration nur eine geringe Bedeutung, da dort automatisch alle Säuren gemessen werden.
Die „Starke Ionendifferenz“ (SID) entspricht der Anionenlücke ohne Bikarbonat und wird als die Summe der Kationen Na+ und K+ abzüglich dem Anion Cl- berechnet.
SID = (Na+) + (K+) – (Cl-)
Wegen dem unbedingt zu erfüllenden Gesetz der Elektroneutralität spiegelt die Differenz die Summe der noch vorhandenen starken sowie schwache und negativ geladene dissoziierte Säuren (Anionen) wider. Die Gleichung impliziert, dass der Säure-Basen-Haushalt vor allem durch Konzentrationsänderungen der Hauptionen Natrium, Kalium und Chlorid beeinflusst wird. Hier spielen die Nieren (hormonelle Steuerung) und der Darm als Resorptionsorgan die wichtigsten Rollen.
Die nachfolgende Tab. gibt einen Überblick über verschiedene, gebräuchliche Messmethoden zur Bestimmung des Säure-Basen-Haushalts:
Für den Säure-Basen-Haushalt relevante Messmethoden im vergleichenden Überblick
|
|
pH Urin |
Sanders & Gläsel |
BGA |
Titration |
AL |
SID |
freie H+ |
X |
XXX |
XXX |
XXX |
- |
- |
nichtflüchtige Säuren |
- |
XX |
- |
XXX |
XX |
X |
flüchtige Säuren |
- |
- |
XXX |
XX |
XX |
X |
Extrazellulärraum |
X |
XX |
XX |
XXX |
XX |
XX |
intrazelluläres Bindegewebe |
- |
- |
X |
XX |
- |
- |
Pufferreserven |
- |
- |
XX |
XXX |
X |
X |
Sauerstoffverwertung |
- |
- |
XXX |
XXX |
- |
- |
akute Klinik |
- |
X |
XXX |
XX |
X |
X |
chronische Klinik |
- |
X |
XX |
XXX |
X |
X |
Die Bluttitration ist ein Meilenstein für das Erkennen und die Behandlung von Säure-Basen-Störungen. Sie beruht auf der Titration des Vollbluts und des Plasmas mit Salzsäure; diese kann sowohl manuell wie auch semi-automatisch erfolgen. Sofern bereits eine Einrichtung für Routinelaborparameter zur Verfügung steht, kann nach verhältnismäßig geringen Anschaffungen damit begonnen werden.
Bei der manuellen Titration wird von Hand dem Blut schrittweise Salzsäure einer bekannten Menge und Konzentration zugesetzt und jeweils der resultierende pH-Wert gemessen. Der Laborplatzbedarf dafür ist minimal (ca. 60 x 60cm) und das Material gehört zur Laborstandardausstattung. Da die Blutanalyse heikel ist und die Messung möglichst rasch erfolgen soll, müssen einige Anforderungen an das Messinstrument bzw. an die Messanordung gestellt werden:
Für die manuelle graphische Erfassung müssen die Werte in einem Koordinatensystem eingetragen und mit Linien verbunden werden. Die Schnittpunkte mit der X-Achse ergeben den VBP sowie den PP. Daraus lassen sich mit den entsprechenden Formeln die wichtigsten Ergebnisse kalkulieren. Sind die Linien nicht gerade, sondern mit groben „Knicks“ versehen, war die Messung ungenau und muss wiederholt werden (inkl. Blutentnahme!).
Bei der automatischen Titration übernimmt das Gerät die Zugabe der Säure und fügt diese kontinuierlich (nicht stufenweise wie bei der manuellen Titration) der Probe zu. Die notwendigen Messwerte für die Auswertung können dann abgerufen werden.
Mit Ausnahme der automatischen Titrationsanlage unterscheidet sich das notwendige Material nicht von der manuellen Titration. Lediglich für die konstante Temperatur werden zusätzlich eine Umwälzpumpe und für das Messgefäß eine automatische Rühranlage benötigt. Entscheidend bei der automatischen Titration ist die Verwendung einer Flachmembranelektrode. Der Gesamtplatzbedarf (ca. 80 x 60 cm) ist etwas größer als bei der manuellen Titration.
Je nach individuellen Platzmöglichkeiten, Kapazitäten und Praxisauslastung wird sich der Praktiker für die Manuelle oder Automatische Titration entscheiden. Vorteile und Nachteile beider Verfahren sind in der Tab. 9.1 aufgeführt.
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|
manuelle Titration |
automatische Titration |
Vorteile |
|
|
Nachteile |
|
|
Zielanwender |
|
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