Wurde bisher vor allem der Säurebasenhaushalt quantitativ wissenschaftlich beleuchtet wollen wir uns nun qualitative Aspekte zuwenden.
Worin unterscheiden sich Quantität und Qualität?
In der Art der Eigenschaft, die gemessen oder betrachtet wird.
Quantität:
Qualität:
Beziehung:
In den folgenden Kapiteln wollen wir nun den Hauptaugenmerk auf Qualität in der Säurebasenmedizin richten. Und die Qualität ist das Fundament, um Assoziationen in der Medizin zu erstellen. So wie die Traditionelle Chinesische Medizin auf Assoziationen wie Yin/Ang und den 5 Wandlungsphasen aufgebaut ist, so finden wir spannende Korrelationen auch in der Säurebasenmedizin.
Was sind Assoziationen?
Assoziationen sind mentale Verknüpfungen oder Verbindungen zwischen Begriffen, Ideen, Konzepten oder Eindrücken. Diese Verknüpfungen entstehen aufgrund von Erfahrungen, Erinnerungen oder kognitiven Prozessen. Bestimmte Begriffe können mit verschiedenen anderen Begriffen oder Konzepten automatisch verbunden werden.
Wie Sie sehen werden, spielen Assoziationen eine wichtige Rolle in der Säurebasenmedizin, analog der TCM. Sie ermöglichen es, komplexe Informationen einfach zu verarbeiten, Verbindungen zwischen verschiedenen Konzepten herzustellen und sich an relevante Informationen zu erinnern. Wir werden diese Verbindungen als Grundlage für das Verständnis zu Nutze machen.
Im Gegensatz dazu bedient sich die Wissenschaft der Quantität, welche bestens dazu geeignet ist, Sachverhalte zu erforschen und zu beweisen. Sie helfen jedoch nur marginal dazu, Zusammenhänge zu verstehen. Wissenschaftliche Fakten müssen vielmehr auswendig gelernt als hergeleitet werden.
In Analogie kann man des Steuern eines Fahrzeuges analysieren. Wenn ich Gas gebe oder bremse, kenne ich die daraus resultierenden Folgen. Das Betätigen des Gaspedals führt zur Beschleunigung, während das Drücken der Bremse eine Verzögerung bewirkt. Es ist nicht zwingend erforderlich zu verstehen, wie genau die durch das Bremspedal erzeugte Kraft auf den Kolben im Hauptbremszylinder wirkt und dabei Druck im Bremssystem aufbaut. Dieser Druck bewirkt dann die Spannkräfte oder Anpresskräfte im Bremskolben, wodurch die Bremsbeläge auf die Bremsscheiben gedrückt werden. In modernen Fahrzeugen wird dieser Prozess zusätzlich softwaregesteuert und überwacht.
Bei der Beschleunigung bewegt das Gaspedal den Bowdenzug, der wiederum die Drosselklappe steuert. Das Gaspedal reguliert die Kraftstoffzufuhr. Wenn der Fuß auf das Pedal drückt, wird diese Bewegung bei konventionellen Systemen über einen Seilzug – auch Bowdenzug genannt – oder über ein Gestänge an die Drosselklappe weitergeleitet. Abhängig von der Stellung des Gaspedals öffnet sich die Drosselklappe mehr oder weniger weit, und die Einspritzpumpe oder ein Vergaser fügen der durchströmenden Luft jeweils die passende Menge an Kraftstoff hinzu. Moderne Fahrzeuge verfügen über elektronische Gaspedale. Hierbei erfasst ein Sensor den Pedalweg und leitet diese Information an ein Steuergerät weiter, welches dann über Software und zahlreiche Sensoren die genaue Einspritzung und Luftzufuhr kontrolliert.
Wissenschaftliche Erklärungen gehen ins Detail, um genau zu beschreiben, wie bestimmte Prozesse wie Beschleunigung und Bremsmanöver in einem Fahrzeug ablaufen. Sie berücksichtigen die physikalischen Prinzipien, mechanischen Abläufe und technischen Systeme, die diese Vorgänge ermöglichen. Dies beinhaltet ein tieferes Eintauchen in Themen wie Dynamik, Fluidmechanik (im Falle von hydraulischen Bremssystemen), Materialwissenschaft (für Bremsbeläge und -scheiben), sowie in die Elektronik und Software (beispielsweise bei modernen, elektronisch gesteuerten Gaspedalen).
Verständnis auf einer grundlegenden Ebene hingegen erklärt, was bei solchen Manövern passiert, ohne sich in die Komplexität der zugrundeliegenden Systeme zu vertiefen. Es ist eine vereinfachte Darstellung, die darauf abzielt, die grundlegenden Reaktionen und Auswirkungen (wie Beschleunigung beim Gasgeben und Verzögerung beim Bremsen) zu verstehen. Diese Art des Verständnisses ist für den alltäglichen Gebrauch eines Fahrzeugs ausreichend, da es den Fahrern ermöglicht, das Fahrzeug sicher und effektiv zu bedienen, ohne sich in technische Details vertiefen zu müssen.
Diese Unterscheidung ist in vielen Bereichen der Wissenschaft und Technik relevant, wo es oft eine Kluft gibt zwischen dem tiefen, technischen Verständnis, das für die Entwicklung und Wartung von Systemen erforderlich ist, und dem vereinfachten Verständnis, das für die tägliche Nutzung ausreicht.
Bereits im Namen der Säure-Basen-Medizin spiegelt sich das Prinzip der Dualität wider: Säuren und Basen, die offensichtliche Gegensätze darstellen. Diese Polarität ist ein grundlegendes Prinzip in der Natur und findet sich auch in bedeutenden Medizinsystemen weltweit wieder, wie beispielsweise in der Chinesischen Medizin mit ihrem Konzept von Yin und Yang. Beide Elemente sind gleichwertig und repräsentieren unterschiedliche Funktionen, die zusammen ein harmonisches Ganzes bilden.
In der Säure-Basen-Medizin lassen sich weitere Gegensatzpaare identifizieren:
| Basenflut | Säureflut |
| Anabol | Katabol |
| Hemmend | Aktivierend |
| Regeneration | Verbrauch |
| Zellteilung | Zell-Differenzierung |
| Dunkel | Hell |
| Yin | Yang |
Besonders faszinierend sind die Zusammenhänge, die sich sowohl physiologisch als auch biochemisch manifestieren und auf der pH-Skala analog zu einem Lichtdimmer mit den Endpunkten „hell“ und „dunkel“ dargestellt werden können.
Unser pH-Balken illustriert dies eindrucksvoll: An beiden Enden lauert der Tod. Der dazwischenliegende Bereich ist mit dem Leben vereinbar und sogar eine Voraussetzung dafür. Je nachdem, wo wir uns auf dieser Skala befinden, werden unterschiedliche Stoffwechsel- und physiologische Prozesse bevorzugt.
Hier die Optimalbereiche für Katabolie und Anabolie.
Anabolismus steht für den Zellaufbau und ist gleichzeitig ein Prozess der Regeneration. Diese Funktion ist nicht ohne Weiteres mit der Katabolie, also dem Abbau von Zellen, zu vereinen. Während der Regenerationsphase ist es beispielsweise nicht möglich, einen Marathon zu laufen. Diese Betrachtungsweise lässt sich auf einer erweiterten Skala nachvollziehen, auf der schnell ersichtlich wird, dass Abweichungen vom optimalen Säure-Basen-Bereich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können. Bei einer Verschiebung des Gleichgewichts hin zu extremer Säure- oder Basenbelastung können krankhafte Zustände entstehen.
Wenn wir uns vom neutralen Bereich um einen pH-Wert von 7,4 langsam nach links in den sauren Bereich bewegen, erkennen wir, dass Aktivität eine gewisse Ansäuerung erfordert. Die verbreitete Annahme, mehr Energie durch Entsäuerung zu gewinnen, steht im Widerspruch zur wissenschaftlichen Realität. Dies erklärt teilweise die Beliebtheit von Energy Drinks: Sie sind sehr sauer und wirken energetisierend, indem sie Müdigkeit vertreiben. Diese Energie wird von den Mitochondrien, unseren zellulären Kraftwerken, bereitgestellt. Für die Erzeugung der protonenmotorischen Kraft benötigen diese Mitochondrien Säure. Ohne diese Säure werden die Mitochondrien in ihrer Funktion eingeschränkt.
Doch bei einer weiteren Zunahme der Säurebelastung verschiebt sich das Gleichgewicht allmählich in ein entzündliches Terrain. In diesem Zustand wird die Energie hauptsächlich verwendet, um Mikroben zu bekämpfen und Fieber zu erzeugen. Eine fortschreitende Ansäuerung kann schließlich dazu führen, dass die Zellen zunehmend absterben und in den Prozess der Apoptose, den programmierten Zelltod, übergehen.
In einem alkalischen Milieu wird die Aktivität der Mitochondrien durch eine Abnahme der protonenmotorischen Kraft gebremst. Dies kann zu einem Wechsel hin zu einem eher anaeroben Stoffwechsel führen, der die Zelle zur Teilung anregt – ein grundlegender Prozess für die Regeneration. Während der Regenerationsphase wird die Ausübung der eigentlichen Zellfunktionen zurückgestellt, denn Regeneration bedeutet eine kontrollierte Zellteilung. Eine Eskalation dieser kontrollierten Teilung führt zur unkontrollierten Zellteilung, die charakteristisch für die Entstehung von Krebszellen ist. Daher kann die maligne Entartung als eine alkalische Funktion angesehen werden, und nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen, als eine primär saure.
Die Symbiose zwischen Mitochondrien und Zellen ist ein faszinierendes Beispiel für Kooperation auf zellulärer Ebene, das zentral für die Entwicklung komplexer Lebensformen war. Diese Symbiose wird durch die Endosymbiontentheorie erklärt. Diese Theorie besagt, dass vor etwa 1,5 bis 2 Milliarden Jahren eine frühe Eukaryotenzelle (eine Zelle mit einem Kern) eine prokaryotische Zelle (eine Zelle ohne Kern) verschluckte, die sich zu einem Mitochondrium entwickelte. Statt verdaut zu werden, etablierte die prokaryotische Zelle eine symbiotische Beziehung mit der Wirtszelle. Im Laufe der Zeit verloren die prokaryotischen Zellen einige ihrer eigenen Gene, während sie andere an den Kern der Wirtszelle abgaben. Das Ergebnis war eine hochgradig integrierte Beziehung, in der das Mitochondrium für die Energieproduktion unverzichtbar wurde, während die Wirtszelle Schutz und Nährstoffe bereitstellte.
Nicht nur sind die Mitochondrien die Kraftwerke der Zelle, sie wurden auch zum Dirigenten des Zellverhaltens. Die Urzelle bzw. die prokaryotische Zelle war praktisch unsterblich und hat sich ständig geteilt. Sie haben einzigartige Eigenschaften in Bezug auf Lebensdauer und Fortpflanzung.
Binäre Spaltung: Prokaryoten vermehren sich asexuell durch binäre Spaltung. Dabei teilt sich eine einzelne Zelle in zwei genetisch identische Tochterzellen. Dieser Prozess wird oft als eine Art von "Unsterblichkeit" interpretiert, weil die ursprüngliche Zelle nicht in dem Sinne stirbt, wie es bei mehrzelligen Organismen der Fall ist, sondern sich lediglich teilt.
Kein vorprogrammierter Zelltod: Im Gegensatz zu eukaryotischen Zellen haben prokaryotische Zellen keinen programmierten Zelltod (Apoptose). Dies bedeutet, dass sie nicht automatisch aufgrund von Alters- oder Lebenszyklusfaktoren sterben.
Die Mitochondrien spielten eine entscheidende Rolle in der Evolution komplexer Lebensformen, einschließlich der Entwicklung mehrzelliger Organismen und der Zelldifferenzierung. Ihre Rolle bei der Einleitung der Zelldifferenzierung ist jedoch indirekt und sollte im Kontext der evolutionären Entwicklungen und der Energetik der Zellen betrachtet werden.
Energetische Kapazität: Mit der Eingliederung der Mitochondrien in frühe Eukaryotenzellen stieg die energetische Kapazität dieser Zellen erheblich. Die Fähigkeit der Mitochondrien, durch oxidative Phosphorylierung effizient ATP zu erzeugen, ermöglichte es den Zellen, komplexe und energieintensive Prozesse durchzuführen. Dies war wahrscheinlich ein Schlüsselfaktor für die Entwicklung komplexerer Zelltypen und Strukturen.
Evolution mehrzelliger Organismen: Die erhöhte Energieproduktion durch Mitochondrien könnte ein Katalysator für die Entwicklung mehrzelliger Lebensformen gewesen sein. Mehrzelligkeit erfordert koordinierte Zellfunktionen und spezialisierte Zelltypen – Prozesse, die durch die gesteigerte Energieversorgung unterstützt wurden.
Zelldifferenzierung: Zelldifferenzierung, der Prozess, bei dem Zellen spezialisierte Funktionen entwickeln, ist ein zentrales Merkmal mehrzelliger Organismen. Obwohl Mitochondrien nicht direkt die Zelldifferenzierung einleiten, unterstützt die von ihnen bereitgestellte Energie die Komplexität und Spezialisierung der Zellen. Differenzierte Zellen haben oft unterschiedliche Anforderungen an Energie und Stoffwechsel, die durch die Funktionalität der Mitochondrien ermöglicht werden.
Genregulation und Signalgebung: Mitochondrien sind auch an der Regulation von Genexpression und Signalwegen beteiligt, die für die Zelldifferenzierung wichtig sind. Ihre Rolle bei der Zellkommunikation und der Reaktion auf zelluläre Bedürfnisse beeinflusst die Differenzierung und Funktion verschiedener Zelltypen.
Zusammenfassend haben Mitochondrien zwar nicht direkt die Zelldifferenzierung eingeleitet, aber ihre Rolle bei der Bereitstellung von Energie und der Regulation zellulärer Funktionen war entscheidend für die Entwicklung der komplexen Lebensformen, die Zelldifferenzierung beinhalten. Sie ermöglichten eine höhere Energetik und Komplexität, die für die Entwicklung differenzierter Zelltypen in mehrzelligen Organismen erforderlich ist.
Die Funktion der Mitochondrien ist ausschlaggebend für das Verhalten der Zelle. Wie bereits erwähnt, ermöglichen funktionstüchtige Mitochondrien die Differenzierung der Zellen und die Ausübung zellspezifischer Funktionen. Für die Steuerung solcher Funktionen sind häufig externe Signale erforderlich, beispielsweise durch das Andocken von Hormonen. Diese lösen in der Zelle eine Reaktion aus, die als Second Messenger bekannt ist. Oftmals fungiert Calcium als dieser Second Messenger. Interessanterweise wird dessen Konzentration gerade von den Mitochondrien reguliert.
Wenn die Mitochondrien ausfallen, führt dies zu erhöhten Calciumkonzentrationen in der Zelle. Infolgedessen kann Calcium seine Funktion als Second Messenger nicht mehr erfüllen, da keine signifikanten Konzentrationsänderungen in der Zelle wahrgenommen werden. Zudem verhält sich die Zelle durch den Ausfall der aeroben Energiebereitstellung ähnlich wie ein Prokaryot und neigt zu vermehrter Zellteilung. Dies stellt einen ersten Schritt einer Regeneration dar bis hin zu der Tumorgenese.

Wie aus der dargestellten Abbildung ersichtlich, spielt die Funktion der Mitochondrien eine entscheidende Rolle für das Verhalten der Zelle. Dabei führen nicht nur kranke Mitochondrien zu Veränderungen in der Zellfunktion; auch andere Einflüsse können die Aktivität der Mitochondrien entweder beschleunigen oder hemmen.
Eine intensive Entsäuerung (!) hemmt die Mitochondrien. Auch Hypoxie, wie sie bei Durchblutungsstörungen vorkommt, sowie Umweltschadstoffe, die den mitochondrialen Stoffwechsel beeinträchtigen, wirken sich negativ auf die Funktionsweise der Mitochondrien aus.
Schon eine basische Mahlzeit lässt die Mitochondrien schwächeln. Dies ist deutlich in dieser Graphik zu erkennen, entnommen von dieser Webseite.
Dadurch, dass der Körper basischer wird und die Mitochondrien an Aktivität eingebüsst haben, steigt das Pyruvat in der Zelle an, der Brennstoff, welche normalerweise von den Mitochondrien aufgenommen und zur Energiegewinnung verstoffwechselt wird
Im Gegensatz dazu fördert eine leichte Ansäuerung, ausreichend Sauerstoff und die Gesundheit der Mitochondrien die Differenzierung und Funktion der Zellen. S. auch Kap. 4.6.1.
In einem gesunden Organismus befinden sich Anabolie (Aufbau) und Katabolie (Abbau) in einem ausgewogenen Gleichgewicht.
Regeneration in der Biologie und Medizin bezeichnet die Fähigkeit von Organismen, verlorenes oder beschädigtes Gewebe, Organe oder Zellen zu erneuern oder zu reparieren. Dieser Prozess kann von der Heilung einfacher Wunden bis hin zur Wiederherstellung ganzer Gliedmaßen oder Organe bei bestimmten Tierarten reichen. Eine grundlegende Voraussetzung für die Regeneration ist die Zellteilung, die, wie im vorherigen Kapitel erläutert, vor allem in einem basischen Milieu stattfindet. Daher werden Basenkuren oft mit dem Ziel des Better-Aging beworben. Viele Hotels und Kliniken bieten solche Kuren an, mit verlockenden Versprechen wie Körperformung, gesteigerter Vitalität, verbesserter Verdauung und erhöhter Beweglichkeit.
Eine zeitlich begrenzte Regeneration kann durchaus Vorteile bieten. Gemäß dem Polaritätsprinzip gilt: Je mehr wir uns ausruhen, desto aktiver können wir sein. Von einer dauerhaften Entsäuerung ist allerdings abzuraten. Ziel sollte vielmehr eine Balance sein. Dies bedeutet jedoch nicht, ständig einen neutralen pH-Wert aufrechtzuerhalten. Unser Körper benötigt eine dynamische Regulation mit Phasen der Alkalinität sowie der Azidität.
Dies steht im Widerspruch zum ersten Satz in der Hotelwerbung oben.
Wie bereits mehrfach in diesem Kontext erörtert, ist Azidität eine Voraussetzung für Aktivität, während Alkalinität für die Regeneration notwendig ist. Daher führt ein Zustand der Alkalinität zu einer Art Müdigkeit, die wiederum eine entscheidende Voraussetzung für die Regeneration darstellt. Dies verdeutlicht, dass man nicht regenerieren kann, während man hohe körperliche Leistungen erbringt, wie beispielsweise einen Marathon läuft. Eine effektive Regeneration erfordert eine Phase der Ruhe und des Energierückgewinns, was im alkalischen Zustand begünstigt wird.
Hier nochmals graphisch verdeutlicht
Wird der physiologische Bereich verlassen, können Krankheiten entstehen.
Im Gegensatz zur Regeneration bzw. Anabolie steht der Abbau, bekannt als Katabolie. Dieser Prozess lässt sich anschaulich mit einer brennenden Kerze vergleichen. Um Licht zu erzeugen, muss die Kerze brennen. Dabei verbraucht sie sich selbst, bis schließlich nichts mehr übrig bleibt und das Licht erlischt. Katabolie umfasst verschiedene sich ergänzende Prozesse. So wie die brennende Kerze Licht und Wärme erzeugt und die Dunkelheit und Kälte vertreibt, erzeugt die Katabolie Aktivität, während gleichzeitig das Substrat aufgebraucht oder zersetzt wird.

In der Medizin finden wir klassische Beispiele für Katabolie im Verdauungsprozess, bei dem Nahrung zersetzt wird, oder bei Entzündungen, bei denen Gewebe abgebaut werden kann. All dies sind Abbauprozesse, die essentiell für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen sind, aber auch das Potenzial für Erschöpfung und Verbrauch mit sich bringen.
Entzündungen sind katabol und gehören somit zu den "sauren" Prozessen. Die klassische Entzündung oder Inflammation ist eine körpereigene Reaktion auf schädliche Reize, die sich durch die Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerz und funktionelle Einschränkung äussert. Diese Aktivität benötigt Energie, welche grossteils mitochondrial geliefert wird. Und die Mitochondrien benötigen dafür... Säure.
Eine Rötung wird durch eine Gefässerweiterung erzeugt und diese durch eine Azidose. Diese Vasodilatation kann wie folgt erklärt werden:
Direkte Wirkung auf die Gefäßmuskulatur: Eine erhöhte Wasserstoffionenkonzentration (H⁺), die bei Azidose auftritt, wirkt direkt auf die glatte Muskulatur der Blutgefäße. Diese direkte Wirkung führt zur Entspannung der Gefäßmuskeln.
Endothelvermittelte Reaktion: Die endothelialen Zellen (Zellen, die die innere Auskleidung der Blutgefäße bilden) reagieren auf den erhöhten Säuregehalt. Sie setzen Stickstoffmonoxid (NO) und andere vasodilatierende Substanzen frei, die zur Entspannung der glatten Gefäßmuskulatur führen.
Reflexreaktion auf reduzierten Sauerstoffgehalt: Azidose kann oft mit einer Hypoxie (Sauerstoffmangel) einhergehen. Der Körper reagiert auf den reduzierten Sauerstoffgehalt im Blut, indem er die Blutgefäße erweitert, um den Sauerstofffluss zu den Organen zu verbessern.
Reduzierte Ansprechbarkeit auf Vasokonstriktoren: Bei Azidose kann die Reaktion der Blutgefäße auf Vasokonstriktoren, also Substanzen, die normalerweise eine Gefäßverengung bewirken, abgeschwächt sein. Dies führt ebenfalls zu einer Erweiterung der Gefäße.
Dieser Prozess kann folgendermaßen verstanden werden:
Vasodilatation und erhöhte Gefäßpermeabilität: Azidose kann eine Erweiterung der Blutgefäße (Vasodilatation) bewirken. Dies erhöht die Durchlässigkeit (Permeabilität) der Gefäßwände, was dazu führen kann, dass Flüssigkeit aus den Gefäßen ins umliegende Gewebe austritt.
Veränderungen im osmotischen Druck: Azidose beeinflusst die Balance von Elektrolyten und Proteinen im Blut. Dies kann den osmotischen Druck innerhalb der Blutgefäße verändern, was wiederum dazu führt, dass Flüssigkeit in das umliegende Gewebe gedrängt wird.
Entzündungsreaktion: Azidose kann entzündliche Prozesse im Körper verstärken. Entzündungen gehen oft mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Kapillaren einher, was zu einem Flüssigkeitsaustritt und somit zu Schwellungen führen kann.
Eine Überwärmung entsteht primär durch die oben geschilderte verbesserte Durchblutung. Dazu können verschiedene weitere Mechanismen eine Rolle spielen.
Metabolische Rate: Eine Azidose kann die metabolische Rate des Körpers erhöhen. Ein erhöhter Stoffwechsel führt zu einer gesteigerten Wärmeproduktion.
Beeinträchtigte Wärmeregulation: Manchmal kann eine Azidose die normalen Mechanismen der Wärmeregulation im Körper stören. Wenn der Körper nicht effektiv Wärme abgeben kann, führt dies zu einer Anhäufung von Wärme und damit zu einer Überwärmung.
Eine erhöhte Säurekonzentration im Gewebe kann zu einer direkten Reizung der Nervenenden führen. Die Wasserstoffionen (H⁺), die bei Azidose im Übermaß vorhanden sind, können die Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) aktivieren und somit Schmerzempfindungen hervorrufen. In der Tat wurden sog. Säurerezeptoren gefunden, welche durch Protonen ein Nervenpotential auslösen können (Proton-sensing receptors).

Die saure Umgebung, die durch eine Übersäuerung des Körpers entsteht, aktiviert den Einstrom von Natriumionen in die Zelle. Dies führt zu einem Aktionspotential, das in ein Schmerzsignal umgewandelt wird.
Daher können verschiedene Zustände, die zu einer Übersäuerung führen, Schmerzen verursachen. Dazu gehören beispielsweise Infektionen, die eine Entzündungsreaktion und damit eine lokale Azidose auslösen, Ischämie, bei der ein Sauerstoffmangel zu einer Ansammlung von sauren Stoffwechselprodukten führt, körperliche Anstrengung wie Sport, der oft mit Milchsäurebildung und dem bekannten Phänomen des Seitenstechens einhergeht, sowie Traumen, bei denen Gewebeschäden eine Entzündungsreaktion und damit eine saure Umgebung erzeugen.
In all diesen Fällen ist der saure pH-Wert ein Trigger für den Schmerzmechanismus, der durch den Natriumeinstrom in die Zellen und das daraus resultierende Aktionspotential ausgelöst wird.
Beeinträchtigung von Enzymen: Viele Enzyme, die für Stoffwechselvorgänge essentiell sind, funktionieren optimal nur in einem bestimmten pH-Bereich. Eine Azidose kann diese Enzymaktivitäten stören, was zu einem ineffizienten oder gestörten Stoffwechsel führt.
Störung des Elektrolytgleichgewichts: Azidose kann das Gleichgewicht wichtiger Elektrolyte wie Kalium, Kalzium und Natrium stören. Dies kann zu Problemen wie Herzrhythmusstörungen, Muskelkrämpfen und allgemeiner Schwäche führen.
Beeinträchtigung der Sauerstoffbindung im Blut: Bei Azidose verändert sich die Affinität des Hämoglobins für Sauerstoff, was zu einer verminderten Sauerstoffversorgung der Gewebe führen kann (bekannt als Bohr-Effekt). Dies beeinträchtigt die zelluläre Atmung und kann zu Energieverlust führen.
Bei verschiedenen Arten von nicht-entzündlichen Prozessen kann eine Basentherapie eingesetzt oder zumindest in Betracht gezogen werden. Die Alkalisierung des Körpers hat das Potenzial, den oben beschriebenen durch Azidose bedingten Beeinträchtigungen entgegenzuwirken. So kann eine Erhöhung des pH-Werts zum Beispiel die Enzymaktivitäten normalisieren, das Elektrolytgleichgewicht stabilisieren, die Sauerstoffbindung im Blut verbessern, die Herz- und Nierenfunktion unterstützen sowie positive neurologische Effekte haben.
Allerdings ist es wichtig zu bedenken, dass einige der oben genannten Reaktionen auf Azidose auch Teil des natürlichen Heilungsprozesses des Körpers sein können. Eine intensive Basentherapie könnte diese heilenden Reaktionen stören. Beispielsweise kann eine zu starke Alkalisierung die notwendige Entzündungsreaktion, die zur Heilung beiträgt, unterdrücken.
Daher müssen solche therapeutischen Überlegungen immer den Gesamtzustand des Patienten berücksichtigen. Es ist wichtig, ein Gleichgewicht zu finden und zu vermeiden, dass die Therapie selbst zu neuen Problemen führt. Die Entscheidung für oder gegen eine Basentherapie sollte immer auf einer sorgfältigen Bewertung der individuellen Situation des Patienten basieren.
Der Säure-Basen-Haushalt beeinflusst tatsächlich den Feuchtigkeitsgrad von Geweben. Allgemein lässt sich beobachten, dass ein saureres Milieu tendenziell mit einem höheren Feuchtigkeitsgrad in den Geweben verbunden ist, während ein basisches Milieu eher zu einer Trockenheit der Gewebe führen kann.
Diese Auswirkungen lassen sich sehr gut am Beispiel von zwei unterschiedlichen Magnesiumverbindungen illustrieren: Magnesiumcarbonat, das eine basische Verbindung darstellt, und Magnesiumchlorid, das eher saure Eigenschaften aufweist. In der Praxis zeigt sich, dass Magnesiumchlorid, die saurere der beiden Verbindungen, tendenziell feuchtigkeitsbindende Eigenschaften hat, was sich in einem höheren Feuchtigkeitsgrad der Gewebe widerspiegeln kann. Im Gegensatz dazu tendiert Magnesiumcarbonat, die basische Verbindung, dazu, eine trockenere Umgebung zu schaffen.
MagnesiumCarbonat

Hier ist die Trockenheit sofort zu erkennen. Kein Wasser darin gespeichert. Deshalb wird Magnesiumcarbonat als Pulver im Sport eingesetzt, um die Hände trocken zu halten.
Anders beim MagnesiumChlorid

Hier ist sofort die Feuchtigkeit der Kristalle zu erkennen. Säure bindet Wasser.
Kurzer Vergleich mit der Chinesischen Medizin:
In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird angenommen, dass verschiedene Geschmacksrichtungen unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper haben. So gilt:
"Sauer bewahrt die Säfte": Im TCM-Kontext bedeutet dies, dass saure Lebensmittel und Kräuter dazu beitragen, Körperflüssigkeiten zu bewahren und zu sammeln. Sie wirken zusammenziehend und können beispielsweise bei übermäßigem Schwitzen oder Durchfall helfen, um die Säfte im Körper zu halten.
"Bitteres (= Base) trocknet aus": Bittere Substanzen werden in der TCM oft mit austrocknenden Eigenschaften assoziiert. Sie können überschüssige Feuchtigkeit im Körper reduzieren und gelten als reinigend und hitzeableitend. Bitterstoffe werden daher oft eingesetzt, um Feuchtigkeit und Hitze aus dem Körper zu entfernen.
S. auch Kapitel 10.2.1
Der Geschmack ist eine naturgegebene Eigenschaft, die es uns ermöglicht, instinktiv zwischen guten und schlechten Lebensmitteln zu unterscheiden. Die Bedeutung des Geschmackssinns wurde vielen Menschen während der Covid-Pandemie bewusst, als der Verlust des Geschmacksempfindens eines der Symptome war.
Im Allgemeinen werden folgende Hauptgeschmacksrichtungen unterschieden:
Es lässt sich beobachten, dass saure Getränke wie Sprudelwasser oder Cola oftmals beliebter sind als bittere Getränke, beispielsweise Thermalwasser aus Heilquellen. Dies könnte darauf hindeuten, dass unser Körper uns instinktiv davor schützt, zu viele Basen aufzunehmen. Nicht zu vergessen, der Basentod bei pH 7.8 ist wesentlich unmittelbarer als der Säuretod bei pH 6.8. Der Körper ist sich dessen bewusst und schützt sich entsprechend.
In der Tat sind die meisten Getränke sauer. Schliesslich trinken wir um das Gewebe zu befeuchten und nicht auszutrocknen. Sogar die Milch, welches als eines der basischen Getränke dargestellt wird, figuriert im leicht sauren Bereich bei einem pH Wert knapp unter 7.
Sogar der gesunde "Chi Saft" ist sehr sauer und soll natürliche Energie liefern.
Hier die Titrationskurven von Basenwasser durch einen Basenwasser-Generator im Vergleich zu einem Mineralwasser aus einer Heilquelle.
Beide Getränken starten im basischen Bereich, bei der Zugabe von Salzsäure bricht der pH-Wert des Basenwassers sofort zusammen. Im Gegensatz dazu kann das Mineralwasser die Wirkung der Salzsäure auffangen und verhindert eine starke Ansäuerung.
Einer meiner Patientinnen hat auf Grund einer Werbekampagne eine intensiver Entsäuerung durchgeführt. Sie war eine rüstige 70-jährige welche noch sogar Hochgebirgswanderungen vornahm. Umso mehr war sie um ihre Gesundheit bemüht und war von dieser Kur überzeugt, ihr etwas dabei Gutes zu tun.
Nach einer Woche wurde es ihr zunehmend übel, worüber sie sich eher noch gefreut hat, in der Meinung, dies sei eine wünschenswerte "Entgiftungsreaktion". Die Symptome verstärkten sich zunehmend, was aber der Patientin nicht davon abhielt, die Kur fortzusetzen. Nach 4 Wochen wurde sie auf einmal Gelb im Gesicht, Ihr Bauch schwellte an und Ihr Allgemeinzustand verschlechterte sich dramatisch. Die Abklärung ergab eine "Sklerosierende Cholangitis" eine letale Entzündung der Gallengänge. Eigene Recherchen konnten zeigen, dass das Wasser nach dem Motto "mehr ist besser" mit Natronlauge versetzt war. Somit wurde die Patientin Opfer einer Laugenvergiftung. Sie starb einige Wochen später.
Eine Sklerosierende Cholangitis bedeutet eine narbige und verengende Veränderung der Gallengefässe in der Leber. Somit eine "Verhärtung". Härte ist wiederum die Eigenschaft der Base, welche das Gewebe eben nicht befeuchtet, sondern es austrocknen lässt.
S. auch Kapitel 10.2.1
Die Ernährung soll hier qualitativ in Bezug auf die Gesundheit beleuchtet werden.
Es kursiert die allgemeine Meinung, man solle sich ausschließlich basisch ernähren. Dies mag zutreffen, vor allem, wenn es darum geht, prozessierte Nahrung zu vermeiden. Aber auch hier ist es notwendig, die Nahrungsmittel entsprechend den Bedürfnissen auszuwählen. Basische Ernährung ist in Zeiten von Erholung und Regeneration wichtig. Deshalb werden auch Basenfasten-Kuren angeboten. Während solcher Kuren soll man ruhen oder zumindest keine Höchstleistungen erbringen.
Anders sieht es bei aktiven Menschen aus. Sie benötigen je nach persönlichem Bedarf auch saure Nahrung, wie beispielsweise Fleisch oder Getreide.
Aus diesem Grund sind solche basischen Lebensmittelpyramiden kritisch zu hinterfragen.

Ich glaube, die wenigsten unter uns könnten mit einer solchen Ernährungsphilosophie ein aktives Leben führen.
Thermalbäder erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und bewerben sich entsprechend für eine breite Palette von Erkrankungen. Dabei wird ein wesentlicher Aspekt oft verschwiegen: der pH-Wert des Wassers. Thermalbäder unterscheiden sich nicht nur durch ihren Mineralstoffgehalt, sondern auch durch ihre Alkalinität bzw. Azidität. Gewisse Thermalbäder weisen einen neutralen pH-Wert auf.
Nun gut, ohne genaue Indikation sind Thermalbäder mit neutralem Wasser sicherlich zu bevorzugen. Ansonsten muss man differenzieren.
Wie wir nun wissen, gehen entzündliche Prozesse, wie eine rheumatoide Arthritis, mit einer zumindest lokalen Azidose einher. Hier wären somit basische Thermalwässer zu empfehlen. Hingegen sind bei degenerativen Erkrankungen, wie einer Polyarthrose, saure Thermalbäder zu vorzuziehen.
Der rheumatische Formenkreis umfasst eine Vielzahl von Erkrankungen, die sich auf Gelenke, Muskeln und Bindegewebe auswirken. Diese Erkrankungen sind meist durch Schmerz und Steifigkeit charakterisiert. Zu den wichtigsten Krankheiten, die zum rheumatischen Formenkreis gehören, zählen entzündliche und degenerative Erkrankungen.
Zu den degenerativen Krankheiten zählt vor allem die Arthrose, die sich durch Abnutzung, Trockenheit und Steifheit auszeichnet. Alle diese Eigenschaften sind basisch. Somit zielt eine erfolgreiche Therapie darauf ab, das Gewebe anzusäuern. Dies erfolgt häufig durch die Injektion von Hyaluronsäure oder Ameisensäure. Bei entzündlichen Veränderungen sind solche Massnahmen kontraindiziert.
Auch das oben erwähnte saure Magnesiumchlorid ist ein gutes Therapeutikum bei degenerativen Krankheiten wie einer Polyarthrose der Hände. Patienten berichten nach der Einnahme von einer verbesserten Fingerbeweglichkeit und Schmerzreduktion. Auch die Allgemeinbefindlichkeit kann darunter profitieren, weisen wir im Alter eine Tendenz zur Alkalisierung auf. Das Alter ist basisch.
Anwendung von Magnesiumchlorid
Diese degenerative Erkrankung zeichnet sich durch eine Verkalkung der Supraspinatussehne aus. Wir wissen jetzt, dass eine Verkalkung sich in einem basischen Milieu bilden kann. Entsprechend sollte eine Säuretherapie den Kalk zum Auflösen bringen. In der Tat ist dies der Fall wie in der Praxis dies schon vielfach erfolgreiche angewendet wurde. Die Injektion von Ameisensäure.
Hier das Röntgenbild einer betroffenen Patientin vor und nach 10 Infiltrationen von Ameisensäure im Bereich des Kalkdepots.
Gicht ist ein Vertreter aus dem sauren rheumatischen Formenkreis. Sie ist eine Stoffwechselerkrankung, die durch erhöhte Harnsäure im Blut gekennzeichnet ist und zu schmerzhaften Gelenkentzündungen führt.
Eine Alkalisierung kann bei Gicht aus folgenden Gründen hilfreich sein:
Förderung der Harnsäureausscheidung: Ein basischerer pH-Wert im Urin kann die Löslichkeit von Harnsäure verbessern und damit deren Ausscheidung über die Nieren fördern. Dies kann dazu beitragen, die Harnsäurekonzentration im Blut zu senken und Gichtanfälle zu vermindern.
Reduzierung der Harnsäurekristallbildung: Ein basischerer pH-Wert kann die Bildung von Harnsäurekristallen in den Gelenken vermindern. Harnsäurekristalle sind für die schmerzhaften Entzündungen bei Gicht verantwortlich.
Entzündungshemmung: Da Gicht mit Entzündungsprozessen verbunden ist, könnte eine Alkalisierung potenziell entzündliche Symptome lindern.
Ernährungsumstellung: Eine alkalisierende Diät schließt oft den Verzehr von Lebensmitteln mit hohem Purin-Gehalt aus, wie rotes Fleisch und bestimmte Meeresfrüchte, die die Harnsäurewerte erhöhen können. Stattdessen wird der Konsum von Gemüse und anderen basischen Lebensmitteln gefördert, was bei Gicht von Vorteil ist.
S. auch Kapitel 11.4.3
Die Osteoporose wurde bereits ausführlich im Kapitel 11.6 behandelt. Hier soll einmal mehr auf die qualitativen Aspekte eingegangen werden.
Knochen ist bekanntlich hart, somit muss der Knochen als basisches Organ gewertet werden. Tatsächlich wird Knochen im basischen Milieu gebildet und im sauren abgebaut. Somit werden Osteoblasten durch eine Basentherapie aktiviert, während die Osteoklasten durch Säure stimuliert werden.
Die heute vielerorts eingesetzte Therapie besteht in der Gabe von basischem Kalk in Form von Calciumcarbonat. Diese Verbindung, hochdosiert über Jahre eingenommen, trägt nicht nur dazu bei, die Knochen zu härten. Der gesamte Organismus bewegt sich leicht ins Basische, wodurch auch an anderen Stellen als nur in den Knochen Kalk abgelagert werden kann. Eindrücklich ist dies in Mammographien von Frauen zu erkennen, die über viele Jahre, bis hin zu Jahrzehnten, von ihren Osteoporoseärzten solche basischen Kalkpräparate erhalten haben.
Hier sind Mammographien einer Patientin, die 2012 eine Hochdosis-Kalziumdauertherapie begonnen hat. Schon sechs Jahre später sind deutliche Gefäßverkalkungen zu erkennen.
Bemerkenswert ist zudem die Tatsache, dass der Röntgenologe im Bericht lediglich von verstreuten Mikro- und Makroverkalkungen berichtet und die Gefässverkalkung, obwohl deutlich sichtbar, verschweigt.
In der Tat berichten Studien, dass solche Kalziumtabletten über die Zeit die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt zu erleiden, verdoppeln können.
Und das, obwohl die Wirkung von Kalzium grundsätzlich in Frage gestellt wird:
Und gleichzeitig sollen die Kalziumtabletten das Risiko für Krebs erhöhen!
Dies ist vor allem deshalb von Interesse, weil diese Beobachtung erneut den qualitativen Aspekt belegt, dass Krebs eine Alkalosekrankheit darstellt. Wir wissen auch, dass die beschriebenen Mikroverkalkungen in den Mitochondrien beginnen (in der Matrix ist es am alkalischsten), welche zunehmend ineffizient werden und den Stoffwechsel in die Anaerobie umlenken. Dies ist nach Warburg und nach Prof. Thomas Seyfried der Beginn der malignen Transformation.
Es konnte gezeigt werden, dass der Konsum von sauren Getränken in der Jugend einen Einfluss hat auf das Wachstum. Säure hemmt die Osteoblasten und aktiviert gleichzeitig die Osteoklasten.
Inzwischen sind weitere Studien erschienen, welche diese Ergebnisse wieder in Frage stellen. Eine Erklärung könnte sein, dass generell mehr säurehaltige Nahrung konsumiert wird.
Die Produktion von Erythrozyten im Knochenmark ist ein sehr effizienter Prozess. Die Bildung von 2 bis 3 Millionen Erythrozyten pro Sekunde erfordert eine hohe metabolische Aktivität wobei der anaerober Stoffwechsel (Zellteilung!) betont wird.
Anaerober Stoffwechsel: Während der frühen Phasen der Erythropoese benötigen die Zellen einen überwiegend anaeroben Stoffwechsel. Die Voraussetzung dazu finden diese insbesondere in Bereichen des Knochenmarks mit niedrigerem Sauerstoffgehalt. Dies ist effizient für die schnelle Zellteilung und Wachstum.
Runterfahren der Mitochondrien: In reifenden Erythrozyten findet ein Abbau der Mitochondrien statt, da die ausgereiften Erythrozyten keine Mitochondrien enthalten. Dies ist einzigartig für Erythrozyten und ermöglicht ihnen, effizienter Sauerstoff im Körper zu transportieren. Wären Mitochondrien vorhanden, würden diese den Sauerstoff selber aufbrauchen.
Niedrige Sauerstoffkonzentration: Obwohl das Knochenmark gut durchblutet ist, gibt es Bereiche mit niedrigerem Sauerstoffgehalt. Dieser Zustand (Hypoxie) ist ein Signal für die Produktion von Erythrozyten. Der Körper reagiert zudem auf Hypoxie durch die Freisetzung von Erythropoetin, einem Hormon, das die Erythrozytenproduktion stimuliert.
Die tiefe Sauerstoffkonzentration trägt auch zur Bildung des gelben Knochenmarks bei. Es erscheint gelblich aufgrund eines hohen Anteils an Fettzellen (Adipozyten). Gelbes Knochenmark dient hauptsächlich als Speicherort für Fette. Es kann unter bestimmten Bedingungen (wie bei schwerem Blutverlust oder Anämie) wieder in rotes Knochenmark umgewandelt werden, um die Produktion von Blutzellen zu erhöhen. Beide Arten von Zellen benötigen wenig Sauerstoff. Diese Anpassungsfähigkeit des Knochenmarks ermöglicht es dem Körper, flexibel auf unterschiedliche physiologische Anforderungen zu reagieren und so die Homöostase zu wahren.
Bedeutung des Knochenmarks: Die Auswahl des Knochenmarks als Ort der Erythropoese durch die Natur ist teilweise auf die einzigartige sauerstoffarme Mikroumgebung zurückzuführen.
Die Verhärtung der Arterien ist wiederum grundsätzlich ein basischer Prozess. Es lagert sich in einem alkalischen Milieu Kalziumphosphat in die Gefässwände ein. Die chemische Formel des Kalziumphosphats ist Ca₃(PO₄)₂. Diese Verbindung, bekannt als Tricalciumphosphat, ist eine der häufigsten Formen von Kalziumphosphat, die in Arteriosklerose-Ablagerungen gefunden wird. In einem sauren Milieu (niedriger pH-Wert) neigt Kalziumphosphat dazu, sich wieder aufzulösen. Säuren können Phosphatgruppen (PO₄³⁻) von Kalziumionen (Ca²⁺) trennen, wodurch die Verbindung in Lösung geht. Somit kann eine Veränderung des pH-Wertes in den Blutgefäßen die Bildung oder Auflösung von Kalziumphosphat beeinflussen. Ein neutraler bis leicht basischer pH-Wert im Blut begünstigt in der Regel die Bildung von Kalziumphosphat, während eine stärkere Azidität zur Auflösung beitragen kann.
So wie hier bei der Verkalkung von diesem Wasserhahn...

ist das Hausmittel die Verwendung von Essig, um diesen Kalk aufzulösen.

Dies wird auch bei der sog. Chelattherapie zunutze gemacht. Bei der Chelattherapie wird eine Substanz namens Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA) verwendet. Essigsäure kann den Kalk auflösen und über die Nieren ausscheiden.
Interessant in diesem Zusammenhang ist die Beobachtung, dass Statine einen günstigen Effekt auf die Arteriosklerose haben sollen. Eigene Messungen des Säure-Basen-Haushalts bei Patienten, die Statine einnehmen, haben häufig signifikante Laktatazidosen ergeben. Dies ist vermutlich bedingt durch die Hemmung der Bildung von Coenzym Q10, welches für die Mitochondrienfunktion essentiell ist. Die dadurch verursachte Senkung des Blut-pH-Wertes könnte zur Auflösung oder zumindest zur Verhinderung der Kalziumeinlagerung beitragen.
Hier ein Beispiel von einem Patienten unter Ruvostatin. Auffällig ist die deutliche Laktatazidose welche in einer Kontrollmessung bestätigt wurde. Nach dem Weglassen normalisierten sich die Säurebasen-Werte (von rechts nach links).
Die "Normalisierung" der Säure-Basen-Werte nach dem Absetzen des Medikaments wirft jedoch eine interessante Frage auf. Es muss berücksichtigt werden, dass möglicherweise ein Teil des positiven Effekts, den das Medikament auf den Körper hatte, durch die Beseitigung der Azidose verloren gegangen sein könnte. Dies deutet auf die komplexe Natur der Medikamentenwirkung hin, bei der manchmal die Vorteile gegen die potenziellen metabolischen Veränderungen oder Nebenwirkungen abgewogen werden müssen.
Bei diesem Patienten besteht eine Arteriosklerose mit einer Coronaren Ein-Gefässerkrankung. Zudem besteht eine hochgradige Carotisstenose und st. n. Apoplexie. Wegen einem paroxysmalen Vorhofflimmern erhielt der Patient vom Kardiologen Kaliumhydrogencarbonat.
Die Säurebasen-Analyse ergab eine leichte metabolische Alkalose. Eine Alkalose ist ein Risikofaktor für eine Verhärtung der Gefässe (Alkali-Effekt). Aus diesem Grund wurde das basische Kalium-Hydrogencarbonat durch das saure KaliumChlorid ersetzt.
S. auch Kapitel 12.11
Bodybuilder nutzen diesen Effekt schon länger. Die Methode heisst "Blood Flow Restriction Training". Durch das Abbinden der Durchblutung werden Muskelzellen rascher geschädigt und zusammen mit dem Sauerstoffmangel und dem dadurch aktivierten anaeroben Stoffwechsel wird dadurch die Zellteilung bzw. Muskelwachstum gefördert.

Die reduzierte Blutzufuhr und der daraus resultierende Sauerstoffmangel verursachen eine schnelle Ermüdung der Muskeln, selbst bei Verwendung von leichteren Gewichten. Dieser Zustand führt zu einer verstärkten Anhäufung von Milchsäure und anderen Metaboliten im Muskelgewebe. Der Körper reagiert darauf zudem mit einer verstärkten Ausschüttung von Wachstumshormonen und anderen anabolen Signalen, die das Muskelwachstum und die Muskelreparatur fördern.
Obwohl BFR Training für einige Athleten vorteilhaft sein kann, ist es wichtig, sich der Risiken bewusst zu sein. Eine unsachgemäße Anwendung, wie das zu starke Abbinden oder das Tragen der Bänder für zu lange Zeit, kann zu ernsthaften Verletzungen führen, einschließlich Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen. Daher wird empfohlen, BFR Training nur unter Anleitung eines qualifizierten Trainers oder Therapeuten durchzuführen.
Im krassen Gegensatz zu den anaeroben Bodybuildern präsentieren sich aerobe Sportler wie Langstreckenläufer schlank. Hier geht es nicht um Regeneration und Wachstum von Zellen, sondern um die Funktion derselben.

Die unterschiedlichen Energiesysteme des menschlichen Körpers, das Sauerstoffsystem (aerob), das Laktatsystem (anaerob) und das ATP-PCr-System (Speichersystem), spielen eine entscheidende Rolle in der Art und Weise, wie der Körper Energie produziert und nutzt.
Das ATP-PCr-System (Speichersystem) ist für die allerersten Sekunden einer intensiven Aktivität verantwortlich und nutzt gespeicherte Moleküle von ATP und Phosphokreatin (PCr) in den Muskeln, um sofortige Energie bereitzustellen. Dieses System wird stets nach einer Belastung regeneriert.
Die Systeme 1+2 sind die eigentlichen Energiebereitsteller und stehen nicht in Konkurrenz, sondern unterstützen sich gegenseitig. Der aerobe Stoffwechsel entsäuert und fördert damit die anaerobe Energiegewinnung. Der anaerobe Stoffwechsel säuert an, was wiederum den aeroben Stoffwechsel fördert.
Im Gegensatz zur gängigen Meinung, die aerobe Energiegewinnung sei viel effizienter als der anaerobe Weg muss revidiert werden. Die anaerobe ATP-Gewinnung resultieren zwar lediglich 2 ATP gewonnen wird (im Gegensatz zu den 36 ATP durch den aeroben Stoffwechselweg), sie ist aber trotzdem der raschere Mechanismus. Zwar sind es viel weniger ATP-Moleküle, aber diese werden äusserst rasch gebildet. Im aeroben Bereich muss Pyruvat in die Mitochondrien geschleppt werden, welches den Krebszyklus und anschliessend die Elektron-Transferkette durchlaufen muss, bis es zum Proton-Motorische Kraftgenerator wird. Das dauert. Demzufolge können wir die zwei verschiedenen Prozesse wie folgt vergleichen:
Anaerob |
Aerob |
| Einfach | Kompliziert |
| Zeitlich Effizient | Zeitlich Ineffizient |
| Schnell | Langsam |
| Fight or flight | Ausdauer |
| Fettverbrennung | Fettverbrennung |
| Laktat | Bicarbonat |
| => Ansäuernd | => Alkalisierend |
| Unempfindlich | Empfindlich |
| Erschöpfend | Unerschöpflich |
Zitat aus
Mitochondrial function in human skeletal muscle is not impaired by high intensity exercise.
Tonkonogi M, Walsh B, Tiivel T, Saks V, Sahlin K.
Department of Physiology and Pharmacology, Karolinska Institute, Box 5626, S-11486 Stockholm, Sweden.
"It is concluded that mitochondrial oxidative potential is maintained or improved during exhaustive HI exercise."
Aus dem oben geschilderten Verhältnissen geht hervor, dass Basensupplemente ausschliesslich und kurzfristig bei anaeroben Sportarten nützlich sein können. Bei aeroben Sportarten wird ohnehin Bicarbonat produziert. Hier kann die Gabe von NaBic höchstens die Aktivität der Mitochondrien hemmen. Dies wiederum wird die Laktatproduktion fördern und den Baseneffekt wieder neutralisieren.
S. auch 11.10.5
In dieser Beobachtungsstudie wurde der Ausgangs-pH-Wert des venösen Blutes bei einer Gruppe von Sportlern gemessen und mit dem Durchschnittswert einer Normalbevölkerung (n=615) bzw. dem durchschnittlichen Patientengut unserer Klinik verglichen.
Der durchschnittliche pH-Wert bei den Sportlern lag bei 7.377, während er bei den Patienten etwa 7.41 betrug. Auf den ersten Blick scheint dieser Unterschied gering. Jedoch ist zu beachten, dass der pH-Wert auf einer logarithmischen Skala basiert. Eine Umrechnung in lineare Werte zeigt, dass der Säureanteil bei den Sportlern um etwa 10% höher ist als bei den Patienten. Berücksichtigt man zusätzlich den pOH-Wert, so vergrössert sich der Unterschied auf ungefähr 20%. Dies deutet darauf hin, dass aktive und gesunde Personen eine leicht erhöhte Säureaktivität aufweisen. Säure, die katabol wirkt, ist eine wesentliche Voraussetzung für eine gesunde aerobe Energiebereitstellung.
Patientin beklagt sich seit Monaten über chronische Erschöpfung und Müdigkeit.
Die Messung ganz rechts ist die vor der Behandlung.
Wir erkennen sofort einen hohen pH Wert von 7.44. Dieser alkalische Wert ist keine gute Voraussetzung für Energie; findet die ATP Produktion doch im leicht angesäuerten Milieu statt. Daneben ist die Sauerstoffkonzentration mit 86.8% sehr hoch und der CO2 von 25.2 normal.
Durch die Gabe von Mitoactiv änderten sich die Werte: Zweite Kolonne von rechts. Der pH sank wesentlich auf 7.34, der Sauerstoffverbrauch stiegt signifikant an (Restsauerstoff wesentlich tiefer mit 44.1%) und der CO2 Wert stieg auf 31. Kombiniert deutet dies auf eine nun gute mitochondriale Aktivität hin. Die Patientin spürte dabei eine verbesserte Energiesituation.
Die Patientin, eine Opernsängerin, hatte zu wenig Energie, um aufzutreten. Ihr Ferritin lag bei 24ug/L.
Mit den Eiseninfusionen sehen wir eine konstante Abnahme (von rechts nach links) des Sauerstoffanteils im venösen Blut, einen wechselhaften Anstieg des CO2 und vor allem eine reguläre Abnahme von Laktat. Entsprechend hat sich auch die Patientin besser gefühlt und war wieder in der Lage, auf der Bühne aufzutreten.
Die mitochondriale Aktivität lässt sich mittels einer experimentellen Formel berechnen. Die Entwicklung: 2.71 - 6.63 - 9.8 (2 - 10)
Die Nervenreizleitung ist eng mit dem Säure-Basen-Haushalt verknüpft. Zustände wie Azidose oder Alkalose können deutliche neurologische Symptome hervorrufen. Eine metabolische Azidose beispielsweise kann zu einer gesteigerten Nervenerregbarkeit führen (der sogenannte Azidose-Effekt), während eine Alkalose die Nervenerregbarkeit verringern kann (der Alkali-Effekt).
Es ist daher nicht verwunderlich, dass Lokalanästhetika typischerweise sehr basisch sind, mit einem pH-Wert um 8. Der Alkali-Effekt dieser Medikamente ist so ausgeprägt, dass die Nervenerregbarkeit vollständig unterbunden wird.
Dieses Prinzip des Säure-Basen-Effekts kann insbesondere in der Neurologie genutzt werden, beispielsweise bei der Behandlung von Spastik. Hier sind die Muskeln hart und steif, was dem Alkali-Effekt entspricht. In solchen Fällen könnte eine Ansäuerungstherapie empfehlenswert sein. Zum Beispiel kann der Konsum von Cola, trotz seiner allgemein bekannten gesundheitlichen Nachteile, den Zweck der Ansäuerung erfüllen, wobei oft mindestens ein halber Liter benötigt wird. Sollte der Patient positiv darauf reagieren, lässt sich der Säure-Basen-Haushalt auch auf gesündere Weise regulieren, beispielsweise durch Ernährungsumstellungen oder Säuremittel (siehe Abschnitt 10.2.1).
Eine Studie weist auch auf einen "wissenschaftlichen" Zusammenhang hin:
The build-up of H+ within the muscle lowers the pH and may reduce muscle force by (1) decreasing Ca2+ release from the SR, (2) decreasing the sensitivity of troponin C to Ca2+, and (3) interfering with cross-bridge cycling (Fig. 1).20,24
Challenging the Role of pH in Skeletal Muscle Fatigue
Scott K Stackhouse, Darcy S Reisman, Stuart A Binder-Macleod
Physical Therapy, Volume 81, Issue 12, 1 December 2001, Pages 1897–1903, https://doi.org/10.1093/ptj/81.12.1897
https://academic.oup.com/ptj/article/81/12/1897/2857605
Diabetes mellitus ist eine komplexe Stoffwechselstörung, bei der vor allem eine beeinträchtigte Glukoseaufnahme in die Zellen zugrunde liegt (siehe Kapitel 11.2). Diese Störung führt oft dazu, dass der Körper die anaerobe Energiegewinnung bevorzugt oder auf Ketone als alternative Energiequelle zurückgreift. In beiden Fällen ist eine Ansäuerung die Folge, die jedoch nicht effektiv reguliert werden kann, was zu einer tatsächlichen "Übersäuerung" führt. Der Körper versucht durch zunehmende Ansäuerung, die Energieproduktion anzukurbeln, was jedoch teilweise erfolglos bleibt.
Insulin ist ein anaboles Hormon. Interessant ist, dass die maximale Wirksamkeit in der Regel im neutralen bis leicht basischen pH-Bereich (Alkali-Effekt) erreicht wird. In diesem pH-Bereich kann Insulin effektiv an seine Rezeptoren binden und die Signaltransduktionswege aktivieren, die für die Aufnahme von Glukose in die Zellen erforderlich sind.
Bei einer entgleisten Azidose können Basen deshalb auch eingesetzt werden, doch es ist wichtig zu beachten, dass eine langfristige Anwendung die mitochondriale Aktivität weiter kompromittieren und letztendlich die Azidose verstärken könnte.
Bei Diabetes können aber auch Alkalosen vorkommen, vor allem wenn durch die Polyurie eine Kontraktionsalkalose (S. auch 6.2.2) erzeugt wird.
Therapeutisch sind bei Diabetes Ernährungsberatung, Bewegung, Gewichtskontrolle und klassische Arzneimittel wichtig. Zusätzlich sollten Nahrungsergänzungsmittel in Betracht gezogen werden, die die mitochondriale Aktivität und den Zuckerstoffwechsel unterstützen.
Beispiele hierfür sind:
Beispiele von Venöse Blutgasanalysen bei Diabetikern
Diese adipöse Diabetikerin weist eine Alkalose auf, also bewegt sich vermehrt im anabolen Bereich. Womöglich trägt dieser Zustand zu ihrem Adipositas bei. Die cSO2 ist hoch für das venöse Blut, was auf eine verminderte mitochondriale Aktivität hinweist. Die Alkalose könnte metabolisch sein, da der Bicarbonatspiegel ausreichend ist und das Laktat normal.
Dieser Diabetiker steht unter Behandlung mit Metformin. Bekanntlich können Biguanide die mitochondriale Funktion hemmen. Der Laktatspiegel ist auch grenzwertig erhöht. Womöglich ist dies mit ein Grund für den tiefen Bicarbonatspiegel, da dies aus der mitochondriale CO2 Produktion stammt. Der pH Wert von 7.33 ist durchaus noch akzeptabel und für eine aktive Person passend. Das erhöhte Kalium spricht wieder für eine Azidose und womöglich doch nicht optimal eingestellte Diabetes. Immerhin ist der Zucker mit 6 leicht erhöht.
Wie bereits in Kapitel 5.3 ausführlich erörtert, spielen die Nieren eine entscheidende Rolle in der Regulation des Säure-Basen-Haushalts. Hier soll der Fokus erneut auf die qualitativen Aspekte dieser Funktion gelegt werden:
Es kann grundsätzlich festgestellt werden:
Darüber hinaus ist der pH-Wert des Urins ein wichtiger Faktor bei der Heilung von Blasenerkrankungen. Ein saurer Urin (katabol) hemmt zwar die Wundheilung (Säure-Effekt), führt aber zu einer geschmeidigen Schleimhaut. Ein basischer Urin trocknet wiederum die Schleimhäute aus, fördert jedoch die Wundheilung (Alkali-Effekt).
Daher ist es essentiell, dass Patienten nach Blasen- oder Prostataoperationen eine Entsäuerung durchführen. Stark alkalisierende Supplemente, insbesondere auf Carbonat- oder Phosphatbasis, sind hier angebracht, da sie sofort basisch wirken und nicht erst metabolisiert werden müssen, wie es bei Citraten der Fall ist.
62jähriger Patient mit einem Blasen-Carcinom wurde erfolgreich transurethral operiert. Leider gestaltet sich die postoperative Phase alles andere als komplikationslos. Er entwickelte Nachblutungen mit Blasentamponaden. Diese mussten stets im Spital notfallmässig katheterisiert und herausgespült werden. Dies wiederholte sich ununterbrochen 3x bis er in die Sprechstunde erschien. Auf Grund des Alkalieffekts haben wir uns entschlossen, den Harn sofort intensiv zu alkalisieren. Und von diesem Augenblick an sistierte die Nachblutung.
Indikationen für die Harnalkalisierung sind unter anderem:
Ein weiteres Patientenbeispiel zeigt einen Mann mit unklarer Mikrohämaturie, bei dem alle urologischen Untersuchungen ergebnislos blieben. Die Harnalkalisierung führte zu einer deutlichen Verbesserung der Hämaturie, besonders bei einem Urin-pH-Wert von 7 und noch besser bei 8 (Abbildung).

S. auch Kapitel 5.7
Die Verdauung ist ein Paradebeispiel für den Einfluss von Säure und Alkali im Körper. Der Magen, als das katabolste Organ, ist für den Abbau der Nahrung verantwortlich. Im Dünndarm wird das Milieu dann alkalisiert, um die anabole Aufnahme von Mikronährstoffen zu ermöglichen.
Diese wichtige physiologische Balance wird jedoch durch die weit verbreitete Anwendung von Protonenpumpenhemmern (PPI) gestört, was zu einer Vielzahl von negativen Folgen führen kann, darunter:
In der Vergangenheit war bei Dyspepsie die Gabe von Magensäuretabletten wie Pepsichlor oder Halipepsin die Behandlung der Wahl. Leider wurden diese effektiven und kostengünstigen Medikamente durch den "PPI-Tsunami" verdrängt. Anstelle der Wiederherstellung des physiologischen Milieus wird nun die Magensäure so stark reduziert, dass die Beschwerden unterdrückt werden, ohne die Ursache zu behandeln.
Daher ist es empfehlenswert, bei Verdauungsbeschwerden den Einsatz eines Magensäurepräparats wie "Stomach Digest" in Betracht zu ziehen. Und einmal mehr muss betont werden, keine Basenmittel zu den Mahlzeiten einzunehmen! Diese sind für die anabole Zeit vor dem Schlafen zu reservieren.
Will man den Kochsalzkreislauf nach der Gabe von HCl kompensieren, so entspricht 450mg HCl ca 1g NaBic.
An den Zähnen lassen sich die Säure- und Alkali-Effekten schön darstellen.
Hier sind sehr schön die Gegensätze zu sehen.
In einem stark alkalischen Milieu neigt Kalk dazu auszufallen, was zur Bildung von Zahnstein führt. Zahnstein ist hart und trocken, was dem Alkali-Effekt entspricht. Im Gegensatz dazu führt Karies, verursacht durch Säure, zu weichen und teilweise durch Katabolie zerstörten Zähnen.
Um dem Säure-Effekt entgegenzuwirken, werden häufig Fluoride eingesetzt. Verbindungen wie Natriumfluorid haben mit einem pH-Wert von 7,67 eine deutlich basische Natur. Allerdings kann eine zu starke Alkalisierung auch die Brüchigkeit der Zähne begünstigen. Dieses Risiko wurde insbesondere bei der Osteoporosebehandlung mit Fluoriden beobachtet.
Speichel erfüllt zahlreiche essentielle Funktionen im Mund. Eine seiner Hauptaufgaben ist die Neutralisation von Säuren, die durch bakterielle Aktivität entstehen und zu Karies führen können. Diese Säuren wirken katabol auf die Zahnstruktur und fördern den Abbau des Zahnschmelzes.
Darüber hinaus unterstützt Speichel aktiv die Gesundheit der Mundschleimhäute und beschleunigt die Heilung kleiner Wunden im Mundbereich. Da die Mundschleimhaut als erste Kontaktstelle mit der Aussenwelt häufigen Verletzungen ausgesetzt ist, spielt die regenerative Funktion des Speichels eine wichtige Rolle. Die Regeneration ist ein alkalischer Prozess, weshalb der Gehalt an Basen im Speichel ein entscheidendes Qualitätsmerkmal für dessen Gesundheit ist.
Interessant, wie der Ausgangs-pH-Wert nichts aussagt über die Basenqualität des Speichels. Die grüne Kurve zeigt einen tieferen Initial-pH aber eine wesentlich bessere Pufferwirkung, bzw. Fähigkeit, Säuren zu neutralisieren.
Im Röntgenbild ist der deutliche Knochenschwund zu erkennen (katabole Wirkung der Säure), ebenso die schlechte Säurepufferkapazität des Speichels (rote Kurve, dazu die grüne Kurve vom gesunden Speichel zwecks Vergleich).
Der pH Wert der Lungenoberfläche entspricht dem des Surfactants, einer Substanz, die die Lungenfunktion unterstützt, und liegt typischerweise im physiologisch neutralen und basischen Bereich (pH 7.0 bis 7.4). Die Lungenoberfläche muss eine leichte Feuchte aufweisen, aber eigentlich ist sie "trocken". Der Schleim, welcher häufig gebildet wird, vor allem in Zusammenhang mit Krankheiten wie Bronchitis, kann sehr zäh werden (Alkali-Effekt). Aus diesem Grunde ist eine Behandlung die Inhalation mit Kochsalzlösung. Kochsalzlösungen sind sauer und weichen somit auf (Säure-Effekt).
Bei Mukoviszidose funktionieren die CFTR-Chloridkanäle nicht richtig, was den Transport von Chloridionen (Cl⁻) und indirekt auch von Natriumionen (Na⁺) beeinträchtigt. Dies führt zu einer veränderten Zusammensetzung der Sekrete, einschließlich des Schleims.
Die Hauptauswirkung des defekten Chloridtransports in den Atemwegen ist eine Alkalisierung und damit eine erhöhte Viskosität des Schleims. Dies wird zusätzlich durch den Mangel an Wasser verstärkt, der normalerweise den Schleim verdünnt, da Wasser den Chloridionen folgt.
Bei Mukoviszidose-Patienten wird aber auch oft ein niedrigerer pH-Wert in den Atemwegen beobachtet. Dies kann teilweise auf die Ansammlung von zähem Schleim und die daraus resultierende bakterielle Infektion und Entzündungsreaktion zurückgeführt werden. Ein niedrigerer pH-Wert in den Atemwegen kann die Funktion des Surfactants beeinträchtigen. Surfactant hilft, die Lungenalveolen offen zu halten und die Oberflächenspannung zu reduzieren, aber ein saures Milieu kann diese Funktion stören. Wenn der Schleim dadurch zu dünn wird (Säure-Effekt) kann er wiederum schlechter nach Aussen transportiert werden.

Die Wim Hof Methode ist ein von Wim Hof, einem niederländischen Extremsportler, entwickeltes System, das aus drei Hauptkomponenten besteht: Kälteexposition, Atemtechniken und Meditation/Mindset-Übungen. Wim Hof ist auch als "The Iceman" bekannt und hat mehrere Weltrekorde im Zusammenhang mit Kälteausdauer gebrochen. Seine Methode wird von Anhängern oft zur Steigerung der Gesundheit, der mentalen Stärke und der körperlichen Leistungsfähigkeit genutzt.
Aus unserer Sicht sind alle seine Massnahmen alkalisch und entsprechend anabol und parasympathisch aktivierend
Kälteexposition: Diese beinhaltet Aktivitäten wie kalte Duschen, Eisbäder oder das Verbringen von Zeit in kalten Umgebungen. Kälte fördert Alkalose und damit Regeneration.
Atemtechniken: Hof hat eine spezielle Atemtechnik entwickelt, die tiefe Einatmungen und das Zurückhalten des Atems nach dem Ausatmen umfasst. Diese Praxis soll das Sauerstoffniveau im Körper erhöhen und zu verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen führen.
Aus der Sicht der Säurebasen-Medizin fördert tiefe Atmung eine respiratorische Alkalose und verstärkt den regenerativen Effekt. Das Halten der Atmung verhindert eine echte Hyperventilation, welches sich gefährlich auswirken könnte.
Meditation/Mindset: Diese Komponente konzentriert sich auf die Entwicklung von Fokus und mentaler Stärke. Meditation und Mindset-Übungen helfen, die Kontrolle über den Körper zu verbessern und Stress zu reduzieren. Dies ist auch ein Alkali-Effekt.
Zunahme der CO2-Löslichkeit in der Kälte: In kalten Bedingungen löst sich Kohlendioxid (CO2) besser in Flüssigkeiten wie Blut. Dies führt zu einer erhöhten Bildung von Kohlensäure (H2CO3), wenn CO2 mit Wasser reagiert.
Bildung von Kohlensäure und Alkali-Effekt: Kohlensäure (H2CO3) kann in Bicarbonat (HCO3-) und Wasserstoffionen (H+) dissoziieren. Diese Reaktion kann den pH-Wert des Blutes beeinflussen. Eine Zunahme von H2CO3 könnte tatsächlich einen Teil des alkalischen Effektes neutralisieren, da sie zur Freisetzung von H+ führt, was den pH-Wert senkt (also zu einer leichten Azidose führt).
Alkalisierung und Stoffwechsel: Eine alkalische Verschiebung im Blut kann verschiedene Stoffwechselprozesse beeinflussen. Zum Beispiel könnte eine Alkalisierung den Stoffwechsel reduzieren.
Reduzierte mitochondriale Aktivität: In kalter und basischer Umgebung kann die mitochondriale Aktivität abnehmen. Dies kann den Sauerstoffverbrauch in den Zellen verringern.
Zunahme des Sauerstoffgehaltes im Blut: Wenn die mitochondriale Aktivität abnimmt und weniger Sauerstoff verbraucht wird, könnte theoretisch der Sauerstoffgehalt im Blut steigen. Dies könnte sich in einer höheren Sauerstoffsättigung des Hämoglobins (Hb-O2) äußern.
Histidin ist eine essentielle Aminosäure, die eine bedeutende Rolle in vielen Enzymen spielt. Es ist oft in den aktiven Zentren von Enzymen zu finden, wo es an der Katalyse von Reaktionen beteiligt ist. Der Imidazol-Ring in Histidin ist eine besondere Struktur, die es dieser Aminosäure ermöglicht, als Protonendonator oder -akzeptor zu fungieren. Dies bedeutet, dass Histidin sowohl H+ Ionen aufnehmen als auch abgeben kann, was für die Aufrechterhaltung des pH-Wertes in der Nähe der Enzyme entscheidend ist. Die Fähigkeit von Histidin, bei unterschiedlichen pH-Werten zu funktionieren, ist für die Stabilität und Aktivität von Enzymen unter verschiedenen Bedingungen, einschliesslich Alkalose, wesentlich. Histidin hilft dabei, die Enzymaktivität auch bei Verschiebungen des pH-Wertes zu erhalten.
Die Molekularstruktur von Histidin ermöglicht es, dass Enzyme auch unter variierenden Temperaturen effektiv funktionieren. Dies ist besonders relevant in Situationen, in denen der Körper extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, wie es bei der Wim Hof Methode der Fall sein kann. Der Stoffwechsel, insbesondere enzymatische Reaktionen, muss sich an die durch Kälteexposition und Atemtechniken veränderten Bedingungen anpassen. Histidin spielt hierbei eine Schlüsselrolle, indem es die Enzymaktivität unter verschiedenen pH- und Temperaturbedingungen stabilisiert und somit den Stoffwechsel unterstützt.
Die Fähigkeit von Enzymen, sich an unterschiedliche Umgebungsbedingungen anzupassen, ist ein faszinierendes Beispiel für die Komplexität biologischer Systeme. Es zeigt, wie der Körper auf molekularer Ebene auf Herausforderungen reagiert und sich anpasst, was für Praktiken wie die Wim Hof Methode relevant sein kann.
S. auch Kapitel 4.5.1 - Alphastat System
Die Haut ist das grösste Organ des menschlichen Körpers und erfüllt eine Vielzahl von essentiellen Funktionen.
Schutz: Die Haut bietet Schutz vor mechanischen Verletzungen, Chemikalien, Mikroorganismen und UV-Strahlung.
Barrierefunktion: Die Haut fungiert als Barriere, die den Körper vor dem Eindringen von Pathogenen schützt und den Verlust von Wasser und Elektrolyten minimiert. Die lipidreiche Zusammensetzung der Stratum corneum ist hierfür massgeblich.
Thermoregulation: Über Prozesse wie Schwitzen und die Veränderung der Blutzirkulation in der Haut reguliert die Haut die Körpertemperatur.
Sensibilität: Die Haut ist ein sensorisches Organ, das Berührungen, Druck, Schmerz, Temperatur und Vibration durch eine Vielzahl von Nervenendigungen und Rezeptoren (wie Meissner-Körperchen und Pacini-Körperchen) wahrnimmt.
Immunität (Immunologische Funktion): Die Haut ist Teil des Immunsystems. Langerhans-Zellen in der Epidermis und andere Immunzellen in der Dermis erkennen und reagieren auf Antigene, die in die Haut eindringen.
Sekretion und Exkretion: Die Haut ist an der Sekretion von Schweiss und Talg beteiligt.
Synthese und Speicherung von Vitamin D: Unter Einfluss von UV-B-Strahlung synthetisiert die Haut Vitamin D.
Wundheilung und Regeneration: Die Haut hat die bemerkenswerte Fähigkeit zur Selbstreparatur bei Verletzungen durch Zellteilung und Regeneration, insbesondere in der Epidermis.
Ästhetische und soziale Funktionen: Die Haut spielt auch eine Rolle in der ästhetischen Erscheinung und im sozialen Ausdruck, beispielsweise durch die Hautfarbe oder die Fähigkeit, durch Mimik Emotionen auszudrücken.
Diese Funktionen unterstreichen die Vielseitigkeit und Bedeutung der Haut für den gesamten Körper.
Der Säurebasenhaushalt der Haut spielt bei den verschiedenen Funktionen entscheidend mit. Dies in Form des...
Der Säureschutzmantel der Haut, auch als "Hydrolipidfilm" bekannt, ist eine dünne, leicht saure Schicht auf der Hautoberfläche. Er spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Gesundheit und Integrität der Haut.
Laktat ist eine der Schlüsselkomponenten, die zum sauren pH-Wert des Hydrolipidfilms beitragen. Laktat ist ein Teil des Natürlichen Feuchthaltefaktors (Natural Moisturizing Factor, NMF) der Haut, einer Gruppe von wasserbindenden Substanzen, die natürlich in der obersten Hautschicht, dem Stratum corneum, vorkommen. NMF-Komponenten, einschließlich Laktat, helfen, die Haut hydratisiert zu halten und unterstützen ihren Säuremantel (Säure-Effekt).
Sogar in der Chinesischen Medizin ist die Eigenschaft der Säure in diesem Zusammenhang wohlbekannt: "Säure bewahrt die Säfte" - Aus diesem Grunde sind auch Sweet-Sauer Gerichte sehr beliebt. Das Süsse befeuchtet und das Saure bewahrt die Feuchtigkeit. Dies kann bei der Behandlung von bestimmten Hauterkrankungen genutzt werden (s.u.).
Ein gestörter oder geschwächter Säureschutzmantel kann zu Hautproblemen wie Trockenheit, Reizungen, Infektionen und verschiedenen Hauterkrankungen führen. Trockenheit ist nach unserer Definition alkalisch. Dies ist in der Bäckerei wohlbekannt und wird bei der Herstellung von Laugengipfel oder Laugenbretzel eingesetzt, bei der die Backware eine harte und trockene Kruste erhält.
Im Gegensatz dazu verwendet man bei der Vorbereitung zarter Fleischgerichte eine Marinade, was nichts anderes ist als die Vorbehandlung mit einem Säureanstrich.
Entzündliche Zustände entsprechen unserem Säure-Effekt und müssen basisch behandelt werden.
Trockene degenerative Zustände wie dies bei Ekzemen häufig vorkommen verlangen eine Säure-Behandlung.
Junge Patientin hatte bereits 3 Dermatologen aufgesucht bis hin zur Universitätsklinik und erhielt lediglich die gewohnten Cremes, leider stets erfolglos.
Die Venöse Blutgasanalyse ergab eine deutliche mineralische Azidose (Laktat normal, Anionenlücke normal). Somit bestand die Therapie in einer Entsäuerung mittels Ernährung und Baseninfusionen. Innerhalb 2 Wochen hatte sich die Haut massiv verbessert.
Hier die Säurebasen-Analyse
Die Azidose ist deutlich zu erkennen, wie auch die Normalisierung nach der Behandlung bestehend aus 4 Baseninfusionen.
Eine weitere Möglichkeit, solche Hautentzündungen zu behandeln sind Basenbäder oder auch das Betupfen von entzündlichen Hautläsionen mit in Wasser aufgelösten Basensalzen.
Junger Mann mit langanhaltender Balanitis. Bisherige urologische / dermatologische Behandlungen mit Cortison, Antimykotika und antibakterielle Cremes. Niemand hat die Vorhaut miteinbezogen: denn der Patient hatte diese nie zurückgezogen, zumindest nicht im Zusammenhang mit der Behandlung.
Vorhaut deckt die Entzündung ständig zu.
Die Behandlung: Alle Cremes und Salben gestoppt. An Stelle lediglich die Vorhaut zurückgestreift und "befestigt".
Innerhalb von wenigen Tage vollständig abgeheilt.
Balanitis / Entzündung ist sauer, und unter der Vorhaut bleibt das Milieu auch sauer. An der Luft hingegen trocknet die Haut aus und profitiert vom Alkali-Effekt, welcher antientzündlich ist. Die Luft weist einen theoretischen pH Wert von 9.6 auf (S. Kapitel 4.5.1).
Trockene Ekzeme sind Zeichen einer Hautalkalose (Alkali-Effekt).
Wie wie bei diesem Patienten einem 16-jährigen jungen Mann, der seit Jahren unter einer trockenen juckenden Neurodermitis leidet und bisher lediglich Antihistaminika und Cortisoncremes erhalten hatte.
Drei (!) Tage nach Säurebäder mit Aceto Balsamico 1/2 Liter in eine Badewanne
Erstmals seit Jahren konnte er wieder ohne Medikamente durchschlafen, wurde er nicht mehr vom Juckreiz gequält.
Weshalb Aceto Balsamico? Dieser Essig ist süss-sauer, befeuchtet und bewahrt die Säfte.
Bei dieser Patientin bestand schon länger ein chronischer Durchfall mit Exiccose. Die Schleimhäute sind extrem ausgetrocknet und auf Grund des Speichelmangels waren die Zähne bereits angegriffen.

Die Säurebasenanalyse ergab eine deutliche Alkalose.

Die Behandlung gestaltete sich langwierig, aber Abhilfe brachte das saure Cola-Getränk (
Säure-Effekt).
Bei jeder Arzt von Verletzung ist das randbildende Gewebe mikroskopisch nicht mehr optimal mit Blut und Sauerstoff versorgt. Dieser Zustand hemmt die mitochondriale Aktivität und fördert die Zellteilung und Regeneration. Die Umgebung muss feucht sein, fördert dies die Wundheilung und Zellmigration. Zu viel Feuchtigkeit kann jedoch schädlich sein und Infektionen oder Mazeration (Aufweichung) der Haut fördern (S. Balanitis oben). Nach erfolgter Zellteilung und Regeneration muss eine gute Durchblutung gewährleistet sein, um die notwendige Zelldifferenzierung zu ermöglichen.
Grundsätzlich ist ein alkalischer pH-Wert der Umgebung von Vorteil, wie auch diese Studie bestätigt.
Br J Dermatol. 2009 Sep;161(3):671-3. doi: 10.1111/j.1365-2133.2009.09168.x. Epub 2009 Apr 29.
Sharpe JR1, Harris KL, Jubin K, Bainbridge NJ, Jordan NR.
BACKGROUND:
Variations occur in the pH of cutaneous wounds which may affect wound closure, graft take and microbial infection rates.
OBJECTIVES:
To determine how pH modulates cell behaviour in order to optimize wound care.
METHODS:
The effects of pH on the attachment, proliferation and migration of keratinocytes and fibroblasts were investigated in vitro and in an ex vivo skin growth model. In addition, the effect of pH on keratinocyte differentiation as measured by the expression of cytokeratins 1 (K1) and K5 was studied.
RESULTS:
We demonstrated that the optimal pH for both keratinocyte and fibroblast proliferation is between pH 7.2 and 8.3. The optimal pHfor growth from ex vivo skin explants was pH 8.43 which correlates with a previously reported improvement in skin graft take at higher pHs. Expression of K1 was found to be elevated in keratinocytes at a low pH.
CONCLUSIONS:
These results demonstrate that skin cells and explants proliferate and migrate at pHs higher than the physiological pH and that at lower pH keratinocytes express a differentiated keratinocyte phenotype. A better understanding of the responses of the cellular components of skin to fundamental physiological variables such as pH may help inform improved clinical wound care.
Wenn der pH-Wert jedoch weiter ansteigt, ist das wiederum ungünstig für die Wundheilung. Bakterienwachstum wird gefördert, die notwendige proteolytische Aktivität wird gehemmt und die Sauerstoffversorgung verschlechtert sich zusehends (S. Kapitel 5.1.1 - Sauerstoffdissoziatiionskurve).
In der Annahme, dass Alterungsprozesse einem Verbrauch gleichkommen, kann man Alterung als einen katabolen Vorgang betrachten. Letztendlich handelt es sich um eine Bilanz zwischen anabolen und katabolen Prozessen, wobei der katabole Anteil tendenziell überwiegt. Tatsächlich neigt Bicarbonat im Alter dazu abzunehmen, was Raum für die Ansammlung anderer, saurerer Anionen schafft. Andererseits führt der Verlust an Hydration zunehmend zu einer Kontraktionsalkalose.
Interessanterweise konnten wir nach der Analyse von 2'270 venösen Blutgasproben eine Tendenz zur Alkalisierung mit fortschreitendem Alter feststellen.
Wenn man den pH-Wert nur von den Jugendlichen graphisch darstellt (n=170), so ist im Gegensatz dazu eine zunehmend Ansäuerung zu erkennen.
In jungen Jahren sind wir vornehmlich in einem anabolen Zustand, der für das Wachstum notwendig ist. Dieser Prozess erfordert ein alkalisches Milieu. Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich die Zellteilung, und der Stoffwechsel tendiert zu einer Dominanz saurer Aktivität. Die Regeneration dient dann vorwiegend Reparaturvorgängen und der normalen Apoptose.
Im Alter verlangsamt sich die Dynamik des Körpers, die Katabolie nimmt ab und die Anabolie gewinnt die Oberhand, wodurch der Stoffwechsel tendenziell alkalischer wird. Daher sollte im Alter besonders vorsichtig mit alkalisierenden Massnahmen ohne klare medizinische Indikation, wie zum Beispiel bei einer Entzündung, umgegangen werden.
Es ist gerade im fortgeschrittenen Alter so, dass wir vermehrt anabole Zustände wie Gefässverkalkung oder Tumorprozesse vorfinden.
Viele Arzneimittel können tatsächlich eine Alkalose fördern (S. auch Kapitel 7.2.1). Insbesondere bei der Verschreibung von Steroiden, Calciumpräparaten oder Diuretika sollte dieser Aspekt sorgfältig berücksichtigt werden. Diese Medikamente können den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen und zu einer Verschiebung des pH-Wertes in den alkalischen Bereich führen, was je nach Zustand des Patienten und seiner Gesamtkonstitution kritisch sein kann. Es ist wichtig, dass die Verschreibung solcher Medikamente unter Berücksichtigung des gesamten klinischen Bildes erfolgt und dass Patienten entsprechend überwacht und die Medikation bei Bedarf angepasst werden, um das Risiko einer Alkalose zu minimieren.
Der pH-Wert im Hoden, wo die Spermien produziert werden (speziell im Bereich der Samenkanälchen), ist leicht alkalisch. Typischerweise liegt der pH-Wert im deutlich alkalischen Bereich zwischen 7.2 und 8. Dieses alkalische Milieu ist wichtig für die optimale Funktion der Spermienproduktion (Alkali-Effekt). Es ist anzumerken, dass der pH-Wert des Prostata-Sekretes ebenfalls leicht alkalisch ist.
Im Gegensatz dazu ist das Vaginalmilieu sauer. Hier ist nun nicht mehr die Spermienproduktion und -konservierung gefragt (Alkali-Effekt) sondern deren Aktivität (Säure-Effekt). Im sauren Milieu werden die Mitochondrien der Spermien angefeuert und beginnen, sich zu bewegen. Die Spermaflüssigkeit neutralisiert teilweise das Vaginalmilieu welches einen End-pH Wert von ca 6.4 erzeugt, der optimale pH-Wert für die Bewegung und das Überleben der Spermien.
Dieses saure Milieu dient jedoch nicht nur der Beweglichkeit sondern auch der Befeuchtung der Schleimhaut. Die Schleimhauttrockenheit ist ein bekanntes Phänomen im Alter, bei der die Säurebildung hormonell bedingt ausbleibt.
Achtung Chat GPT: Sogar hier finden wir Fehlinterpretationen der pH-Effekten:
Diese Alkalität hilft, die Spermien in der sauren Umgebung der Vagina zu schützen, die normalerweise einen pH-Wert von etwa 3,8 bis 4,5 hat. Dadurch wird die Überlebensfähigkeit der Spermien verbessert, um die weiblichen Fortpflanzungsorgane zu erreichen.
Die physiologische, gar lebensnotwendige Bedeutung der Säure wird völlig verkannt.
Der pH-Wert der Amnionflüssigkeit ist stark basisch in der Nähe von 8.6. Der Fötus ist Inbegriff der Zellteilung und Passivität (Alkali-Effekt). Bei der (normalen) Geburt wird der Fötus erstmals mit einer kombinierten metabolisch-respiratorischen Azidose konfrontiert was zum ersten Schrei und damit zur gesunden Entfaltung der Lungen führt.
Krebs ist anabol und entsteht, gemäss Prof. Thomas Seyfried, Cancer as a Metabolic Disease, als mitochondriale Stoffwechselkrankheit.
Es ist tatsächlich so, dass die Umgebung einer Tumorzelle oft sauer ist, ein Phänomen, das durch den verstärkten glykolytischen Stoffwechsel der Krebszellen verursacht wird, auch als Warburg-Effekt bekannt. Diese saure Umgebung kann zu einem Circulus vitiosus werden. Die Acid-Sensing Ion Channels (ASICs) in der Membran der Krebszellen können auf die saure Umgebung reagieren, indem sie einen Natriumeinstrom in die Zelle ermöglichen. Dies kann paradoxerweise das innere Zellmilieu weiter alkalisch machen, was die mitochondriale Aktivität zusätzlich hemmt und den glykolytischen Stoffwechsel der Krebszellen weiter fördert.
Weitere Mechanismen sind bekannt, welche in der Lage sind, Säuren aus der Zelle zu exportieren. Alle diese können das intrazelluläre Tumorterrain fördern.

Aus: Cancer Metastasis Rev. 2019 Jun; 38(1-2): 205–222.
doi: 10.1007/s10555-019-09792-7
Causes, Consequences, and Therapy of Tumors Acidosis
Bicarbonat wird in der sauren Mikroumgebung einer Tumorzelle protoniert, was zur Bildung von Kohlensäure führt. Diese Kohlensäure zerfällt dann weiter in CO2 und H2O. CO2, das sehr zellgängig ist, kann entlang des Konzentrationsgradienten in die Zelle diffundieren. Dies ist besonders relevant in anaeroben oder hypoxischen Tumorzellen, wo die interne CO2-Produktion aufgrund des reduzierten aeroben Stoffwechsels begrenzt ist.
Nach dem Eintritt in die Zelle wird das CO2 wieder zu Kohlensäure hydratisiert, was zur Ansäuerung des inneren Zellmilieus beiträgt. Diese Veränderung des pH-Wertes innerhalb der Zelle könnte potenziell die Zellfunktion und das Verhalten günstig verändern. Theoretisch könnte dies zu einer Inversion des Zustands führen – von einer Azidose ausserhalb der Zelle und Alkalose innerhalb der Zelle zu einer Alkalose ausserhalb der Zelle und Azidose innerhalb der Zelle – und somit die mitochondriale Aktivität stimulieren. Diese Stimulation könnte eine Redifferenzierung der Zelle bewirken und somit den pathologischen Zustand der Krebszelle potenziell umkehren oder zumindest modifizieren (S. auch Kapitel 11.9).
So wie eine intrazelluläre Ansäuerung das Tumorverhalten günstig beeinflussen kann, so wird eine Alkalisierung den gegenteiligen Effekt entfalten. Dazu gibt es reichlich wissenschaftliche Studien.
A Zetterberg, W Engström
Proceedings of the National Academy of Sciences, 1981•National Acad Sciences
The effect of environmental pH on the proliferative activity of sparse 3T3 cell cultures was investigated. When quiescent (serum-starved) cells were transferred to a serum-depleted medium in which pH had been elevated, cell proliferation was stimulated during the first 24 hr after the medium change, as reflected by an increase in cell number and in the proportion of cells synthesizing DNA (measured by autoradiography and flow cytophotometry). The growth-stimulatory effect was greater with increasing pH. At pH 8.2 the effect was approximately 50% of that seen in serum-stimulated cells (i.e., upon the addition of 10% serum). Above pH 8.2 toxic effects and cell death were observed. However, the stimulatory effect could be performed without interference of toxic effects by exposing the cells to the high alkaline environment for a short period. A maximum stimulatory effect on the quiescent cells--without any observed toxic effects--was seen after exposure to an alkaline pulse with a duration of 2-10 min at a pH between 8.5 and 10. More than 80% of the cells synthesized DNA during the first 24 hr after the alkaline-pulse stimulation, which is an almost similar response to that seen after stimulation with serum. The growth-stimulatory effect of the alkaline-pulse treatment could not be prevented by a subsequent treatment at acid pH. Kinetic analysis revealed that DNA synthesis was not initiated until 9-12 hr after the alkaline-pulse treatment. This lag period was of the same length as that seen after stimulation with serum. Alkaline-pulse treatment only resulted in stimulation of DNA synthesis and mitosis during one cell cycle. When the alkaline treatment was repeated, only a small proportion of cells could proceed through a second cell cycle.
F Schapiro 1, J Sparkowski, A Adduci, F Suprynowicz, R Schlegel, S Grinstein
Affiliations expand
PMID: 10648563 PMCID: PMC2174292 DOI: 10.1083/jcb.148.2.305
Free PMC article
We conclude that alkalinization of the Golgi complex represents a new biological activity of the E5 oncoprotein that correlates with cellular transformation.
Maitham A. Khajah, Iman Almohri, Princy M. Mathew, and Yunus A. Luqmani *
Chih-Hsin Tang, Editor
Breast cancer cells behave very differently in alkaline pH with enhanced invasive potential; these studies emphasise the crucial influence of extracellular pH and caution against indiscriminate application of alkalinising drug therapy.
T Rickman 1, R Garmany, T Doherty, D Benson, M D Okusa
Affiliations expand
PMID: 11273885 DOI: 10.1016/s0272-6386(01)80134-7
Laboratory values were consistent wich hypokalemia and metabolic alkalosis.
Mit einem „Rote-Hand-Brief“ haben die Zulassungsinhaber von Arzneimitteln, die den Wirkstoff Hydrochlorothiazid (HCT) enthalten auf ein mögliches Langzeitrisiko hingewiesen: Auswertungen dänischer Gesundheitsdaten in pharmakoepidemiologische Studien zeigen, dass steigende kumulative Dosen von HCT anscheinend das Risiko erhöhen, an weißem Hautkrebs zu erkranken.
HCT führt zur Kontraktionsalkalose und fördert somit anabole Prozesse (Alkali-Effekt)
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Faktoren, die die Funktion der Mitochondrien beeinträchtigen, als Risikofaktoren für die Entstehung von Tumoren angesehen werden können. Diese Sichtweise wird auch von Prof. Thomas Seyfried in seinem Buch „Cancer as a Metabolic Disease“ vertreten, in dem er die Mitochondrien als die ultimativen Tumor-Suppressoren beschreibt.
Dieses Verständnis unterstreicht die Bedeutung eines gesunden mitochondrialen Funktionierens für die Krebsprävention und -bekämpfung. Es ist daher nachvollziehbar, dass auch Lifestyle-Faktoren, die die mitochondriale Gesundheit fördern, als potenziell schützend gegen Krebs angesehen werden. Ein Beispiel dafür ist körperliche Aktivität.
Das Schweizer Magazin "Gesundheitstipp" spiegelt diese Erkenntnis wider, indem es 2014 einen Artikel mit der Aussage "Mit Sport rennen Sie dem Krebs davon" veröffentlichte. Körperliche Aktivität ist bekannt dafür, die mitochondriale Funktion zu verbessern und damit die allgemeine Gesundheit zu fördern. Regelmässige Bewegung kann somit als Teil einer präventiven Strategie gegen Krebs angesehen werden, da sie unter anderem zur Aufrechterhaltung einer gesunden mitochondrialen Funktion beiträgt.
60jährige Patientin mit metastasierendem Rektum-Carcinom. Zum Zeitpunkt, als sie sich in einer guten Verfassung befand, war der pH-Wert im venösen Blut 7.39 bei einer guten mitochondrialen Aktivität. Als sich ihr Zustand drastisch verschlechterte wurde ihr Blut deutlich alkalischer bei einer tieferen mitochdrialen Aktivität, zu erkennen an dem höheren cSO2 und Lactat. Kurz darauf verstarb die Patientin.
Der Vergleich zwischen einem Säugling und einem Krebs hinsichtlich ihrer Zellteilungsprozesse ist sowohl faszinierend als auch aufschlussreich. Sowohl Säuglinge als auch Krebszellen sind durch eine hohe Rate der Zellteilung charakterisiert, was einen stark anabolischen und damit tendenziell alkalischen Prozess darstellt. Die Mitochondrienaktivität ist in beiden Fällen vermindert, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen: Bei Krebszellen sind die Mitochondrien oft defekt oder beschädigt, während bei Säuglingen die mitochondriale Aktivität physiologisch reduziert ist, um die Energieressourcen für das Wachstum und die Zellteilung zu maximieren.
In beiden Fällen wird Energie für die Zellteilung benötigt, und diese Energie stammt hauptsächlich aus Kohlenhydraten. Dies spiegelt den Instinkt von Kindern wider, die oft eine Vorliebe für kohlenhydratreiche Nahrung wie Pizza, Spaghetti und Sandwiches haben. Sie greifen intuitiv nach der Energiequelle, die sie am dringendsten benötigen – Brennstoff für den anaeroben Stoffwechsel und die Zellteilung.
Im Alter ändern sich die metabolischen Anforderungen. Die Zellteilung dient hauptsächlich dazu, den normalen Verschleiss zu ersetzen, und der Fokus verschiebt sich auf Zelldifferenzierung und Reparatur. In dieser Lebensphase beginnt man, sich für "gesunde" Nahrung zu interessieren, die reich an Nährstoffen ist, die den Körper bei der Erhaltung und Reparatur unterstützen.
Diese Beobachtungen verdeutlichen die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers an verschiedene Lebensphasen und die Fähigkeit, die Ernährung intuitiv auf die jeweiligen metabolischen Bedürfnisse abzustimmen. Es ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie die Natur und die menschliche Biologie Hand in Hand gehen.
Hier eine typische venöse Blutgasanalyse eines Kleinkindes
Gut zu erkennen ist der Alkalische pH-Wert bei einer hohen Sauerstoffsättigung und tiefen CO2: Die charakteristischen Marker für einen anaeroben Stoffwechsel.
Die Beobachtung und Analyse solcher Marker, einschließlich des pH-Wertes, der Sauerstoffsättigung und des CO2-Spiegels, spielen eine wichtige Rolle beim Verständnis des metabolischen Zustands eines Organismus und können wertvolle Einblicke in gesundheitliche Bedingungen und die Effektivität von Stoffwechselwegen geben.
Entgiftungstherapien, die in der Naturheilkunde weit verbreitet und beliebt sind, sollte auch den Säure-Basen-Haushalt berücksichtigen, da dieser das Verhalten von Toxinen im Körper beeinflussen kann.
Die Zellmembranen haben eine spezifische Ladung – innen sind sie negativ und außen positiv geladen. Dies bedeutet, dass Moleküle mit einer positiven Ladung Schwierigkeiten haben, die Zellmembran zu passieren, da gleichartige Ladungen sich gegenseitig abstossen. Diese Eigenschaft ist einer der Gründe, warum ein basisches Milieu im Dünndarm für die Aufnahme von Mikronährstoffen notwendig ist – und das gilt auch für Toxine. Werden Toxine durch eine Ansäuerung positiv geladen, wird ihre Resorption vermindert.
Ansäuerung führt dazu, dass Toxine eher in oder ausserhalb der Zelle bleiben, während bei einer Alkalisierung Toxine leichter die Zellmembranen überqueren können.
Ein Beispiel hierfür ist die Behandlung einer Ammoniakvergiftung mit Lactulose. Lactulose senkt den pH-Wert im Darm, wodurch das gut resorbierbare Ammoniak in das positiv geladene Ammonium-Ion umgewandelt wird, welches dann nicht mehr absorbiert werden kann.
Ein weiteres Beispiel ist die Ausscheidung von Schwermetallen mittels Chelatoren wie DMPS oder EDTA. Diese Chelatoren sind deprotonisierte Säuren, und in einem basischeren Milieu ist der Anteil der detox-aktiven Anionen größer, was die Wirksamkeit der Entgiftung erhöht.
Diese Beispiele verdeutlichen, wie der Säure-Basen-Haushalt und die Ladungszustände von Molekülen in Entgiftungstherapien genutzt werden können, um die Aufnahme oder Ausscheidung von Toxinen und anderen Substanzen im Körper zu beeinflussen.
Die Rolle von Natrium im Zusammenhang mit Bluthochdruck (Hypertonie) ist seit Jahrzehnten ein zentraler Punkt in der medizinischen Forschung und Diskussion. Lange Zeit wurde angenommen, dass Natrium der Hauptverantwortliche für den Anstieg des Blutdrucks sei. In der Tat wurden Empfehlungen zur Reduktion der Natriumaufnahme als ein wesentlicher Bestandteil der Prävention und Behandlung von Hypertonie angesehen.
In den letzten Jahren hat sich jedoch das wissenschaftliche Verständnis weiterentwickelt, und es wurden zunehmend Studien veröffentlicht, die darauf hinweisen, dass nicht Natrium allein, sondern das Zusammenspiel von Natrium mit Chlorid (als Teil von Natriumchlorid, also Kochsalz) für den Blutdruckanstieg verantwortlich sein könnte. Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Chlorid möglicherweise eine entscheidendere Rolle spielt als bisher angenommen.
Chlorid-Ionen sind in der Tat von Natur aus negativ geladen und können zur Säurebelastung des Körpers beitragen (Azidose-Effekt).
So berichteten Linsay McCallum, Stefanie Lip, and Sandosh Padmanabhan in ihrer Publikation: The hidden hand of chloride in hypertension, Pflugers Arch. 2015; 467(3): 595–603.:
Luft et al. reported that supplementation of NaCl in drinking water caused a modest but significant increase of arterial pressure in the stroke-prone spontaneously hypertensive rat (SHRSP), whereas an equivalent Na+ load, primarily in the form of sodium bicarbonate, did not.
Ein wesentlicher Effekt der Diuretica ist die Volumenminderung. Diese erzeugt eine Kontraktionsalkalose. Beide Faktoren können zu einer Blutdrucksenkung beitragen (Alkali-Effekt). Zudem kann eine metabolische Alkalose Blutgefäße entspannen, was wiederum den Widerstand in den Blutgefäßen reduzieren und somit den Blutdruck senken kann. Dieser Alkali-Effekt kann also als ein weiterer Mechanismus betrachtet werden, durch den Diuretika den Blutdruck senken.
Dem scheint zu widersprechen, dass bei einer normalen Blutdruckregulation eine Laktatazidose den diastolischen Blutdruck unter Belastung senkt. Dies ist bei einer erhöhten Sympathikotonie der Fall.
In dieser Ergometrieaufzeichnung ist schön zu erkennen wie bei diesem jungen gesunden und leistungsfähigen Sportler der diastolische Blutdruck bei zunehmender Belastung sinkt.
Diastolischer Blutdruck versus Laktat (mmol/L) bei der Ergometrie